Bundesamt legt Statistik für Wohnungsbau vor

Trotz Genehmigung werden viele Bauprojekte nicht umgesetzt

Uwe Roth23. Mai 2022
Die Zahl fertiggestellter Wohnungen ist 2021 unter der Marke 300.000 geblieben. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ist darüber enttäuscht und verspricht gleichzeitig, mehr Tempo zu machen. Die IG Bau fordert eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für den sozialen Wohnungsbau auf sieben Prozent.

2021 sind in Deutschland 293.393 Wohnungen fertiggestellt worden. Das waren etwa 13.000 weniger als im Jahr zuvor. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte, bedeutet das einen Rückgang der Bautätigkeit um 4,2 Prozent. Als maßgebliche Gründe wurden genannt: Lieferengpässe und Rohstoffknappheit, deutliche Preissteigerungen als Folge einer erhöhten Nachfrage nach Baustoffen wie Holz und Stahl im In- und Ausland sowie die hohe Auslastung beziehungsweise Personalknappheit im Baugewerbe.

Große Zahl baureifer Pläne ist zumindest positives Signal

Bundesbauministerin Klara Geywitz zeigte sich von der Jahresbilanz enttäuscht: „Die Zahlen können mich als Bundesbauministerin nicht zufrieden stellen“, teilte die SPD-Politikerin in einer Stellungnahme mit. An der Bürokratie hat es nach der jüngsten Statistik wohl nicht gelegen. Die Zahl genehmigter, aber nicht gebauter Wohnungen – der sogenannte Bauüberhang – ist auf 846.830 gestiegen.

Für Geywitz ist die große Zahl baureifer Pläne zumindest ein positives Signal. „Dieser Bauüberhang zeigt, dass in den nächsten Jahren ausreichend Wohnraum in Deutschland gebaut werden kann, wenn sich die Bedingungen verbessern.“ Genehmigte Projekte würden angehalten, aber eben nicht ganz abgebrochen. Aus ihrer Sicht warten private Bauherren und Unternehmen warten ab, wie sich Lieferengpässe, Rohstoffknappheit und deutliche Preissteigerungen weiter auswirken. „Auf diese extrem schwierigen Bedingungen hat der deutsche Staat kaum Einfluss“, stellte die Bauministerin fest.

Bündnis bezahlbarer Wohnraum erarbeitet Lösungsvorschläge

Gleichzeitig betonte sie, dass Bauherren zu Recht erwarteten, „dass wir jetzt das tun, was in unserem Wirkungsbereich liegt, um die Bedingung hier zu verbessern“. Als Beispiele nannte sie, Genehmigungs- und Planungsprozesse zu digitalisieren, die 16 Länderverordnungen sinnvoll zu harmonisieren und die Bedingungen für den seriellen Bau zu erleichtern. Im Bündnis bezahlbarer Wohnraum werde dies erarbeitet. „Wir werden dafür Einzelverordnungen, die in ihrer regionalen Verschiedenheit wenig sinnvoll sind, mit den Ländern überprüfen. Und wir fördern nachhaltiges Bauen und werden dafür in Kürze gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unsere Eckpunkte einer Holzbaustrategie vorstellen.“

Zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes erklärte Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU): Dass die Zahl der Baufertigstellungen wieder unter die Marke von 300.000 gefallen sei, sei keine gute Nachricht. Um das Ziel der Bundesregierung von 400.000 Wohnungen pro Jahr zu erreichen, müsse der Neubau „deutlich an Fahrt aufnehmen“. Das betreffen besonders den sozialen Wohnungsbau. Aktuell habe lediglich einer von zehn Mieterhaushalten die Chance auf eine Sozialwohnung. Und der Bedarf an Sozialwohnungen steige weiter: Gerade für die Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, müsse es genug günstigen Wohnraum geben.

IG Bau fordert Sonderpaket sozialer Wohnungsbau

Nach Forderungen der IG BAU müssten Bund und Länder ein „Sonderpaket sozialer Wohnungsbau“ schnüren: „Allein die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent für den sozialen Wohnungsbau würde einen enormen Zuschusseffekt bringen“, so Feiger. Dies würde den Neubau von Sozialmietwohnungen um zehn Prozent günstiger machen. Eine durchschnittliche Sozialwohnung mit 60 Quadratmetern Wohnfläche wäre nach Berechnungen der Industriegewerkschaft bei sieben-prozentiger Umsatzsteuer um gut 20.000 Euro günstiger zu bauen. Die Zuschüsse könnten, so ein weiterer Gewerkschaftsvorschlag, an eine dauerhafte Sozialbindungen der geförderten Wohnungen gekoppelt werden.

Auch beim Umbau von Büros zu Sozialwohnungen könne gespart werden, zeigte sich Feiger in seiner Stellungnahme überzeugt. Er bezifferte das Sparpotenzial auf gut 8.000 Euro pro Wohnung, da ein Umbau wesentlich preiswerter sei als ein Neubau. Daher seien Bund und Länder gut beraten, beim sozialen Wohnungsbau stärker auf den Umbau zu setzen: Durch die Dachaufstockung bei Altbauten und durch die Umnutzung von Büros oder Parkhäusern könnten Millionen neuer Wohnungen entstehen.

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