Drei Fragen an ...

Trümper: „Intel ermöglicht uns eine neue Zukunftsperspektive”

Carl-Friedrich Höck27. Mai 2022
Oberbürgermeister Lutz Trümper
Der Chiphersteller Intel will sich in Magdeburg und 17 Milliarden Euro investieren. Warum fiel die Wahl auf Sachsen-Anhalt und wie verändert so eine Nachricht eine Stadt? Wir haben Oberbürgermeister Lutz Trümper gefragt.

Herr Trümper, der Chiphersteller ­Intel will in Magdeburg mehrere Fabriken bauen und 17 Milliarden Euro investieren. Was bedeutet das für die Menschen in der Region?

Das ist eine Investition mit einem Volumen, das bis vor Kurzem für uns unvorstellbar war. Die Summe entspricht dem Vierfachen dessen, was Tesla in Brandenburg investiert. Für die Menschen hier bedeutet es, dass die Industrie­entwicklung der Stadt Magdeburg eine ganz neue Richtung einschlägt. Wir sind eine Maschinenbaustadt und werden es auch bleiben. Aber in der Mikroelek­tronik oder Halbleitertechnik waren wir bisher nicht bekannt. Die Ansiedelung von Intel ermöglicht uns eine neue Zukunfts­perspektive. Für die Stadt­entwicklung ist das ein enormer Gewinn.

Wie ist es der Stadt gelungen, ­diesen Weltkonzern dorthin zu ­locken?

Das war nicht die Stadt allein. Wir haben eng mit dem Land zusammen­gearbeitet. Es gab eine Gruppe, in der das Wirtschaftsministerium und die Staatskanzlei vertreten waren, der ­Ministerpräsident selbst und auch ­meine Leute. Wir haben elf Monate lang intensiv gearbeitet und mussten sehr viele Fragen klären.

Am Anfang hat Intel viele Standorte begutachtet. Wir wussten nie, welche das waren. Aber wir waren im Rennen, haben den roten Teppich ausgelegt und alle Fragen so gut es ging beantwortet. Ausgewählt wurden wir, weil wir das beste Angebot gemacht haben und den Eindruck erweckt haben: Wir sind die Stadt, die das wirklich will und wo es keine großen Widerstände gibt. Die Lage ist natürlich auch ein entscheidender Faktor: Zwischen Berlin, Hannover, Hamburg und Leipzig entstehen viele Partnerschaften und es können viele Arbeitskräfte akquiriert werden.

Sie sind seit 2001 ­Oberbürgermeister von Magdeburg. Das Amt ist anstrengend, man hat viele ­Termine und selten frei. Was hat Sie ­motiviert, diese Arbeit mehr als zwei Jahrzehnte lang auszuüben?

Wenn alle an einem Strang ziehen, macht das richtig Spaß. Mit kreativen Ideen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann man Entscheidungen treffen, die die Stadt voranbringen. Ich glaube, das haben wir im Magdeburg gut hingekriegt. Ein Beispiel: Anfang der 1990er Jahre ist die Industrie hier zu ­großen Teilen zusammengebrochen. Wir haben viele Fördermittel eingeworben, um neue Industrie anzusiedeln. Wenn man dann sieht, was man mit seiner Arbeit zustande bringt, ist das höchst motivierend. Als Oberbürgermeister trägt man große Verantwortung, aber man kann auch viel bewegen. CFH

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