Wohnungsmangel

Wegen Homeoffice: Bündnis fordert Umbau von Büros zu Wohnungen

Carl-Friedrich Höck05. Februar 2021
Viele Büros stehen derzeit leer, weil die Mitarbeiter*innen im Homeoffice arbeiten (Symbolfoto).
Mehr Homeoffice, weniger Büroflächen – so lautet die Gleichung des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“. Es schlägt vor, Büros umzuwidmen und hat errechnet: Bis 2025 könnten so 235.000 zusätzliche Wohnungen geschaffen werden.

In zwei Wochen will Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) die Bilanz der „Wohnraumoffensive“ vorstellen. Für ein Verbändebündnis aus Mieterbund, Caritas, IG BAU und Bauwirtschaft steht jetzt schon fest: Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht, um den Bedarf zu decken. Die Bundesregierung werde ihr Ziel, insgesamt 1,5 Millionen Neubauwohnungen bis zum bis Herbst 2021 zu schaffen, um rund 300.000 Wohnungen verfehlen. Insbesondere günstige und Sozialwohnungen seien knapp. „Seit Horst Seehofer Bundesbauminister ist, gibt es nicht mehr, sondern weniger Sozialwohnungen“, kritisiert IG-BAU-Vorsitzender Robert Feiger. Die Corona-Krise verschärfe die Probleme, weil viele Menschen erhebliche Einkommensverluste erlitten hätten.

Freiwerdende Büroflächen neu nutzen

Die Pandemie sei aber auch eine Chance, weil die Akzeptanz für Homeoffice gestiegen sei, erklärten Vertreter*innen des Bündnisses „Soziales Wohnen“ am Freitag. Wenn sich das Homeoffice über die Pandemie hinaus etabliere, könnten Büroflächen freiwerden. Diese könnten mit einem staatlichen Sonderprogramm zu Wohnungen umgebaut werden.

Zahlen dazu hat die „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen“ (ARGE) ermittelt. Sie schätzt, dass bis zum Jahr 2025 in Bürogebäuden bis zu 235.000 neue Wohnungen entstehen könnten. ARGE-Chef Dietmar Walberg rechnet vor: Mit 1.108 Euro pro Quadratmeter sei der Umbau deutlich günstiger als die Vollmodernisierung von Altbauwohnungen (2.214 Euro) oder der Neubau von Wohnungen (2.978 Euro).

Mehr als 350 Millionen Quadratmeter Bürofläche gebe es in Deutschland, sagt Walberg. „Jedes Prozent Bürofläche, das durch Dauer-Homeoffice zu Wohnungen umgenutzt werden kann, macht die Schaffung von rund 50.000 Wohnungen zu je 70 Quadratmetern möglich.“

Studie: 670.000 Wohnungen fehlen

Das Bündnis „Soziales Wohnen“ als Auftraggeber der Studie fordert, den Umbau staatlich zu fördern und zugleich mit einer strikten Sozialquote zu verbinden. Die Büros lägen oft in attraktiven Innenstadtlagen. Dort dürften aber nicht nur Luxus-Lofts gebaut werden. „Es fehlen aktuell bundesweit 670.000 Wohneinheiten – fast ausschließlich Wohnungen mit bezahlbarer Miete und Sozialwohnungen“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Dieses hat ebenfalls für das Verbändebündnisses eine Wohnungsmarkt-Studie erstellt.

Um die Bedarfslücke zu decken, hat das Bündnis eine Liste von Forderungen präsentiert: Bund und Länder sollen die Förderung von Sozialwohnungen deutlich aufstocken und darüber hinaus jährlich 60.000 „bezahlbare Wohnungen“ fördern. Den Kommunen soll dafür Bauland mit einem Maximalpreis von 300 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt werden. Zehn Prozent der Sozialwohnungen sollen barrierearm gebaut werden. Zudem soll jede Stadt oder Gemeinde eine Härtefallkommission einrichten, die dafür sorgt, dass mindestens zehn Prozent der Sozialwohnungen an besonders Bedürftige – wie Wohnungslose und Menschen mit Behinderung – vergeben werden.

Förderung soll angepasst werden

Weiter fordert das Bündnis den Bund und die Länder auf, die Umnutzung von Büros in soziale und barrierearme Wohnungen zu vereinfachen. Dazu sollen bauleitplanerische Hemmnisse beseitigt, Kommunen aktiv unterstützt und die soziale Wohnraumförderung der Länder angepasst werden.

Dem Bündnis „Soziales Wohnen“ gehören der Deutsche Mieterbund, die Gewerkschaft IG BAU, die Caritas, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau an.

 

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