Energiewende

Windkraftausbau an Land kommt nicht aus dem Tief

Carl-Friedrich Höck31. Juli 2020
Ein windreicher Februar hat den Windkraftanlagen viel Energie beschert – doch der Ausbau an Land kommt nicht voran.
Zwar liefern erneuerbare Energien immer mehr Strom, wie neue Zahlen zeigen. Doch der Ausbau der Windkraft an Land kommt weiter kaum voran. Die kommunalen Unternehmen fordern Maßnahmen gegen die Ausbau-Flaute.

Die Windkraft war in Deutschland lange Zeit das Zugpferd der Energiewende – und ist immer noch der wichtigste nachhaltige Stromlieferant. Das zeigen neue Zahlen, die das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht hat: Danach war die Windenergie im ersten Halbjahr 2020 „mit deutlichem Abstand der wichtigste Energieträger im deutschen Strommix – vor Kohle, Erdgas, Kernenergie und allen anderen erneuerbaren Energieträgern“, wie das UBA betont.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Stromerzeugung aus Wind sogar um zehn Prozent gestiegen, auf mehr als 73 Milliarden Kilowattstunden. Davon wurden 14 Milliarden von Windparks auf See (sogenannte Offshore-Anlagen) produziert. In der zweiten Jahreshälfte 2019 seien mehrere neue Offshore-Windparks in Betrieb gegangen, erklärt das UBA dazu. Mittlerweile seien die aktuellen Offshore-Netzanschlusskapazitäten mit rund 7,7 Gigawatt voll ausgeschöpft.

Der Hauptgrund für die gestiegene Strommenge aus Windkraft ist jedoch ein anderer: Der Februar 2020 war außergewöhnlich windstark. Nur deshalb konnten auch die Windräder an Land (Onshore) im ersten Halbjahr 2020 neun Prozent mehr Strom liefern als im Vorjahreszeitraum. In den anderen fünf Monaten lag die Stromerzeugung bei den Werten des Vorjahres oder sogar darunter.

Onshore-Ausbau ist ins Stocken geraten

An einem gravierenden Problem hat sich nämlich nichts geändert: Seit einiger Zeit werden an Land kaum noch neue Windräder errichtet. Das Umweltbundesamt kommentiert: „Der Zubau neuer Windkraftanlagen an Land bleibt im 1. Halbjahr 2020 ungefähr auf dem niedrigen Niveau des 2. Halbjahrs 2019 – und damit deutlich unter dem angestrebten Ausbaupfad.“

Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2017 wurden in Deutschland noch Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 5.300 Megawattstunden errichtet. Im ersten Halbjahr 2020 erhöhte sich die Gesamtleistung der Anlagen um gerade einmal 590 Megawattstunden. Um das im Erneuerbare-Energien-Gesetz angestrebte Ausbauziel zu erreichen, müsste im laufenden Jahr eine Leistung von 2.900 Megawattstunden neu installiert werden.

VKU will schnellere Verfahren – und eine Beteiligung der Kommunen

„Wir haben bisher also gerade einmal ein Fünftel unseres Ziels für dieses Jahr erreicht“, zeigt sich Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), alarmiert. Nach wie vor fehlten entscheidende Maßnahmen, um die Genehmigungsverfahren zu verbessern und zu beschleunigen. Liebing fordert: „So muss es etwa darum gehen, im Planungs- und Genehmigungsrecht einen investitionsfreundlichen Rahmen für die Windenergie zu schaffen.“ Darüber hinaus solle die anstehende EEG-Novelle genutzt werden, akzeptanzsteigernde Instrumente, wie etwa eine wirtschaftliche Beteiligung der Standortkommunen, im Gesetz besser zu verankern. Eine solche Beteiligung hat auch die SPD schon gefordert, etwa in Form eines „kommunalen Windbonus”.

Kontrovers diskutiert wird auch die Frage, wie hoch der Abstand von Windrädern zur nächsten Siedlung sein muss. Nach langem Ringen hat der Bundestag im Juni dazu eine Regelung beschlossen. Sie ermöglicht es den Bundesländern, einen Mindestabstand von bis zu 1.000 Metern festzulegen. Ursprünglich hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sogar einen pauschalen Mindestabstand von 1.000 Metern einführen wollen. Weil das den Bau neuer Anlagen weiter erschwert hätte, stellte sich SPD quer. Deshalb wurde die Regelung im parlamentarischen Verfahren gelockert und die Verantwortung teilweise den Ländern übertragen.

Kontinuierlicher Ausbau der Photovoltaik

Während sich die Windkraft zum Sorgenkind der Energiewende entwickelt hat, macht der Solarkraft-Ausbau deutliche Fortschritte. Die Photovoltaik hat im ersten Halbjahr etwa 28 Milliarden Kilowattstunden geliert – drei Milliarden mehr als im Vorjahreshalbjahr. „Ein kräftiger Zubau neuer PV-Anlagen im Vorjahr sowie anhaltend sonniges Wetter – besonders in den Monaten April und Mai – waren hierfür verantwortlich“, begründet das Umweltbundesamt die Zahlen. Sie wurden von der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ermittelt.

Die installierte Leistung der Photovoltaikanlagen stieg im ersten Halbjahr 2020 kontinuierlich weiter und wuchs um 2.245 Megawatt. Insgesamt liegt die Summe der Leistung der installierten Photovoltaikanlagen nunmehr über 51.000 Megawatt, wie das UBA mitteilt.

Aus Biomasse und biogenem Abfall wurde im ersten Halbjahr 2020 eine Strommenge von fast 26 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Aus Wasserkraft konnten 11 Milliarden Kilowattstunden Strom gewonnen werden – ähnlich viel wie im Vorjahr. Die Geothermie trage mit etwa 0,1 Milliarden Kilowattstunden weiterhin nur marginal zur Stromversorgung bei, meldet das Umweltbundesamt.

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