Krankenhäuser

Zahl der Covid-Intensivpatienten steigt

Karin Billanitsch23. April 2021
Eine Patientin auf einer Intensivstation wird von einer Ärztin betreut.
Die Lage bleibt weiter angespannt, warnen Mediziner. Die Intensivmedizin-Vereinigung Divi begrüßte die beschlossene Notbremse der Bundesregierung.

Die Zahl der Patienten in intensivmedizinischer Behandlung hat die Marke von 5.000 überschritten: Laut Tagesreport des RKI sind es aktuell 5.049, 62 mehr als am Vortag. Die Zahlen beruhen auf dem DIVI-Intensivregister, eine digitale Plattform zur Echtzeiterfassung von Fallzahlen intensivmedizinisch behandelter COVID-19-PatientenInnen sowie Behandlungs- und Bettenkapazitäten von etwa 1300 Akut-Krankenhäusern Deutschlands.

„Die Lage ist nach wie vor angespannt“, sagt Prof. Gernot Marx, Präsident der Intensiv-Mediziner-Vereinigung DIVI e.V. am gestrigen Donnerstag. Die im Bundestag zuvor beschlossene Notbremse begrüßte Marx ausdrücklich in einem Video auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Patienten werden jünger

„Wir haben eine Situation, die sich von der zweiten Welle unterscheidet“, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gaß, vor einer Woche zur Lage. Zu dem Zeitpunkt waren 4.700 Covid-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung gewesen. Das Alter in den Intensivstationen habe sich verändert, weil die Über-80-Jährigen zumeist geimpft sind. „Wir sehen den positiven Effekt des Impfens, das muss ich deutlich sagen“.

Es gibt auch deutlich weniger Todesfälle, wie die Zahlen zeigen, die Gaß präsentiert. Nun seien es Jüngere, die dort behandelt würden, sagte Gaß. Die Patienten müssen länger auf der Intensivstation behandelt werden als in der zweiten Welle. Aber „es gelingt häufiger sie zu stabilisieren, sodass die Kranken wieder auf die Normalstation verlegt“ werden können.  Bei aller Dramatik sei das doch ein positiver Effekt. Aktuell seien noch 3.000 Intensivbetten frei. „Hinzu kommt eine Notfall-Reserve von 10.000 Betten, die innerhalb von sieben Tagen aktiviert werden können.“

Auch Karl Lauterbach hat kürzlich gewarnt auf Twitter, „noch nie sei die Inzidenz von Kindern und Jugendlichen höher“ gewesen.

„Krankenhäuser handlungsfähig“

„Wir sind handlungsfähig“, hielt er Befürchtungen entgegen, die Krankenhäuser stünden bereits vor einer Totalüberlastung. Selbst wenn einzelne Krankenhäuser an ihre Grenzen kommen, gibt es Absprachen, umzusteuern.

Entwarnung will Gaß gleichwohl nicht geben: Die dritte Welle muss gebrochen werden, machte er deutlich, könne nicht einfach so laufen gelassen werden. „Wenn sich die Situation weiter zuspitzt, müssen wir die Regelversorgung massiv herunterfahren“, befürchtet er.

An intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten gibt es insgesamt 21.109 IST-Betten. Aktuell frei sind laut der Statistik 2.834. Es gibt eine Notfallreserve von 10.150 Betten.

Allerdings: Diese zusätzlichen zehntausend Betten können nicht mit dafür voll ausgebildetem Intensivpersonal betrieben werden, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt. „Für das Gesundheitswesen, insbesondere die Krankenhäuser ist diese Pandemie die größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg“, mahnte der Gesundheitsexperte.

Über die aktuelle Situation hinaus fordern die Krankenhäuser mit Blick auf die Bundestagswahlen einen Kurswechsel, von einer kalten Strukturpolitik hin zu einem gestaltenden Wandel. Dazu gehören „regionale, krankenhauszentrierte Versorgungsnetzwerke als Leitbild“, bessere Rahmenbedingungen für attraktive Arbeitsplätze und ein Abbau der Bürokratie.

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