Urbane Sicherheit

Der Zusammenhalt muss aktiv gepflegt werden

Anna Rau25. November 2019
Ein Herz für Diversität: Mannheim engagiert sich im Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt“ für ein respektvolles Miteinander.
Das friedliche Zusammenleben in der Kommune organisieren

Die Gesellschaft in Deutschland wird bunter und älter. Insbesondere in der Stadt treffen auf engstem Raum viele verschiedene Menschen, Kulturen, Religionen, Lebens­entwürfe, sexuelle Orientierungen, Wünsche und Ziele aufeinander. Das führt zwangsläufig zu Reibung und Konflikten, denen mit demokratischen und gewaltfreien Mechanismen begegnet werden muss.

Balance zwischen Freiheit und Sicherheit

Spätestens seit den großen Flüchtlingsbewegungen 2015 und 2016 und einer zunehmenden Polarisierung ist in aller Deutlichkeit klar, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland kein Selbstläufer ist, sondern aktiv gepflegt und erhalten werden muss. Der viel gepriesene Kit der Gesellschaft droht, in dem immer lauter werdenden populistischen Diskurs und einer zunehmenden Verunsicherung der Gesellschaft zu zerfallen. Die Mitglieder des Deutsch-Europäischen Forums für Urbane Sicherheit (Defus) setzen sich deswegen für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein und treten Polarisierung entgegen.

Kommunen können und müssen aktiv auf diese gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren. Sie sind maßgeblich für die alltägliche Gewährleistung der Sicherheit und des gesellschaftlichen Friedens verantwortlich. Sie müssen die Integration verschiedener Kulturen und Lebensentwürfe leisten sowie ausdifferenzierte gesellschaftliche Bedürfnisse mittragen und managen. Das friedliche Zusammenleben einer immer diverser werdenden Gesellschaft zu organisieren und dabei die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit nicht zu verlieren, ist ­eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Anerkennung von Vielfalt und Diversität in einer Kommune. Studien zur Messung des gesellschaftlichen Zusammenhalts weisen eindeutig nach, dass gesellschaftliche Vielfalt dort am meisten akzeptiert ist, wo sie zur Lebensrealität gehören.

Mannheim: Vielfalt als Markenzeichen

Die Stadt Mannheim hat Vielfalt zu ihrem Markenzeichen erhoben und  das „Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt“ zur Grundlage für ein respektvolles Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger gemacht. Ziel des Bündnisses ist es auch, sich gegen die unterschiedlichen Formen der Herabsetzung und Diskriminierung in Mannheim zu engagieren.

Polarisierung in der Gesamtgesellschaft drückt sich auch in akuten Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen in Stadtteilen aus. Im Rahmen des von der EU geförderten Projektes „BRIDGE“ entwickelt das Europäische Forum für Urbane Sicherheit (Efus) konkrete Handlungsempfehlungen, damit Polarisierungsprozesse frühzeitig erkannt und aktiv bearbeitet werden können. Solche Schnelltests werden bereits in Rotterdam eingesetzt. In Deutschland sind die Städte Stuttgart und Düsseldorf an dem Projekt beteiligt.

Gesellschaftliche Gruppen einbeziehen

Oft sind Bevölkerungsgruppen, die von Marginalisierung und Diskriminierung besonders betroffen sind, passive Ziele von Präventionsmaßnahmen. Diese gesellschaftlichen Gruppen müssen aktiv in die Gestaltung lokaler Sicherheitspolitik und Fragen des Zusammenlebens einbezogen werden. Zum Beispiel werden Obdachlose und Süchtige oft als Sicherheitsprobleme definiert. Erste erfolgreiche Versuche in Augsburg, Drogenabhängige in die Gestaltung ihres öffentlichen Umfelds und die Schaffung von Nutzungs- und Aufenthaltsräumen einzubeziehen, sind der richtige Wege, um ­Nutzungskonflikte kreativ zu lösen. Im Rahmen des Forschungsprojekts Sicherheit im Bahnhofsviertel befragten Wissenschaftler Obdachlose erstmals zu deren Sicherheitsgefühl. Für die Gestaltung des friedlichen Zusammenlebens aller gesellschaftlicher Gruppen, müssen wir die ­Partizipation und Befragung von marginalisierten Gruppen in Zukunft deutlich verbessern und priorisieren.

In immer dichter werdenden Räumen muss es Platz für Begegnung und Austausch geben, um ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen, zu erhalten und zu stärken. Die Schaffung von sozialen, baulichen und virtuellen Räumen der Begegnung müssen Kommunen als konkrete Daueraufgabe begreifen. Hier gibt es vielversprechende Beispiele in jeder Stadt, aber es müssen insgesamt viel mehr werden und der Fokus muss dabei auf den Nachbarschaften liegen, denn dort können wir die Menschen zusammenbringen und die Akzeptanz von Vielfalt stärken.

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