Glosse „Das Letzte”

Deppen Leer Zeichen

Carl-Friedrich Höck06. April 2018
Glosse Das Letzte
Nicht zugänglich für Menschen ohne Humor: Die Glosse „Das Letzte”
Bindestriche haben ausgedient. Zusammengeschriebene Wörter gelten offenbar als Zumutung. Die Folge: Das sogenannte „Deppenleerzeichen” erobert auch die Kommunalpolitik.

Rechtschreibung ist Zivilisa­tion“, wurde der Schauspieler Burghart Klaußner kürzlich zitiert. „Ohne Rechtschreibung keine Zivilisation, keine Zivilisiertheit, keine Literatur, keine Sprache, nichts, außer Radebrechen und sich irgendwelche Schlagworte um die Ohren hauen.“ Recht hat er. Deshalb müssen wir an dieser Stelle über ein Phänomen scheiben, das sich auch in der Kommunalpolitik ausbreitet, sei es in Drucksachen oder Pressemitteilungen. Es geht um fälschlich gesetzte Leerzeichen in Komposita, laut Wikipedia auch umgangssprachlich „Deppenleerzeichen“ genannt. Beziehungsweise: „Deppen Leer Zeichen“.

Ein Missverständnis

Ein klassisches Beispiel ist „SPD Fraktion“. Unschlüssig stehen hier zwei Wörter nebeneinander und betrachten sich aus sicherer Distanz, obgleich sie sich doch verliebt in die Arme fallen und mittels Bindestrich ihre ewige Zusammengehörigkeit bekunden müssten. Vielleicht liegt hier ein Missverständnis vor: Wenn der Rechnungshof mal wieder anmahnt, dass bei der Pressearbeit Partei und Fraktion klar zu trennen seien, ist das nicht orthografisch gemeint.

Dennoch geht der Trend allerorten zum (falschen) Leerzeichen. Die Schreibweise mag oft aus der englischen Sprache übernommen sein, die den Bindestrich nur selten vorsieht. Ein zweiter Grund für den häufigen Fauxpas sind wohl Textprogramme auf dem Handy: Sie erkennen zusammengesetzte Wörter vielfach nicht, sodass sie dazu verleiten, aus Bequemlichkeit „kurz nachrichten“ statt Kurznachrichten zu schreiben.

Enten Pfanne
Vorsicht, Mogelpackung: Mehrere Enten und eine Pfanne verspricht das Etikett.

Ein dritter Grund sind Werbegrafiker, die Bindestriche und lange Wörter unschön finden und deshalb „Enten Pfanne“ statt Entenpfanne schreiben, oder „Husten Saft” statt Hustensaft. Sie haben womöglich die Aufforderung, „Alleinstellungsmerkmale“ hervorzuheben, falsch verstanden, mutmaßen die Betreiber der famosen Internetseite deppenleerzeichen.de.

Die Bedeutung wandelt sich

Dort wird anhand von Beispielen nachgewiesen, dass eine falsche Schreibweise schnell zu Irritationen führen kann. Wenn etwa an Zapfsäulen damit geworben wird, man könne dort „voll tanken“, bezieht sich das hoffentlich nicht auf die Promillezahl. Für Heiterkeit sorgte einst ein Schild im Bezirksamt Eppendorf in Hamburg. „Trink Wasser für Hunde!“, wurden damit die verblüfften Bürger aufgefordert. Hoffentlich etabliert sich nicht noch die Schreibweise „Ober Bürger Meister“. Denn dann wüssten die Leser nicht mehr, ob der Text von Kommunalpolitik, gastronomischen Dienstleistungen oder Pumuckl handelt.

Sprache wandelt sich, könnte man jetzt einwerfen. Was heute noch ehernes Duden-Gesetz ist, muss es in 20 Jahren nicht mehr notwendigerweise sein. Das ist richtig, nur hat sich gerade der Bindestrich erst ab dem 17. Jahrhundert etabliert, zuvor waren die Leerzeichen zwischen Komposita auch im Deutschen üblich. Entwickeln wir uns also sprachlich zurück? Dann sollte, wer seiner Zeit voraus sein will, von nun an das mittelhochdeutsche „burge(r)meister“ verwenden, oder klassisch das „magister civium“.

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