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Entenarmee im Anwatscheln

Karin Billanitsch30. Juni 2020
China bekämpft die Heuschreckenplage mit Federvieh. Auch in deutschen Kommunen werden viele Tiere als Helfer eingesetzt.
China bekämpft die Heuschreckenplage mit Federvieh. Auch in deutschen Kommunen werden viele Tiere als Helfer eingesetzt

Zwei Jahrzehnte ist es her, da halfen Hausenten der nordwestchinesischen Region Xinjiang aus einer Notlage: ­Heuschreckenschwärme drohten, die Ernte zu vernichten. Die gefiederten weißen Vögel – eigentlich selbst dafür bestimmt, als Pekingenten auf dem Esstisch zu landen – rückten an und fraßen die Schädlinge auf. Was anschließend mit ihnen geschah, ist nicht überliefert.

200 Heuschrecken pro Tag

Jetzt soll die chinesische Hausenten-Armee wieder anwatscheln: Pakistan wird derzeit von Heuschreckenschwärmen überfallen und China hat angeboten, 100.000 Enten zu schicken. 200 Heuschrecken vertilgt eine Ente laut chinesischen Wissenschaftlern pro Tag, ein Huhn schafft nur 70. Die Umwelt dankt es: Pestizide, die sonst gegen Heuschrecken eingesetzt werden, werden über­flüssig.

Auch in Deutschland machen sich viele Tiere in Kommunen nützlich. So setzt das Klinikum Stuttgart auf natürliche Abschreckung, indem es Falken einfliegen lässt, wenn die Taubenplage in der Stadt überhandnimmt. So kreist jetzt regelmäßig ein Greifvogel über den Hospitälern. In der Regel erbeutet er die Tauben nicht, sie werden allein durch seine Präsenz verscheucht.

Büffel müffeln Gras in Spandau

Büffel sind nicht nur auf der schwäbischen Alb los, sondern auch in ­Berlin-Spandau. In der ­Voralbgemeinde Heiningen weiden imposante Wasserbüffel und halten so ein renaturiertes Feuchtgebiet von allzu stark wuchernder Vegetation frei. In Spandau fressen sich die Tiere gar schon seit 2011 durch 14 Hektar Gras.

Und wer im Rheinauenwald in Südbaden bei Kappel-Grafenhausen spazieren geht, sollte sich ein wenig in Acht nehmen. Gelegentlich kann der Wanderer dort recht wild aussehenden französischen Salers-Kühen mit kastanienrotem Fell und spitzen Hörnern begegnen. Sie leben mit dem amtlichen Segen der Kommune und des Landes auf „wilden Weiden“, damit der Rheinwald lichter wird.

Esel im Einsatz für die Umwelt

In der Dellbrücker Heide, einem städtischen Naturschutzgebiet in Köln, hilft eine Eselherde, Wildbienen zu retten. Der Lebensraum dieser Insekten ist bedroht, weil es immer weniger Biotope gibt, wo sie leben können. Die Esel leisten ganze Arbeit, indem sie in stark mit Gebüsch bewachsenen Gebieten herumtrampeln und sich wälzen. Schon jetzt breiten sich die Heide­gebiete wieder aus, auch Eidechsen oder Heuschrecken bekommen so neue Lebensräume. Es sei denn, sie werden von Enten gefressen.

Fischchen in der Verwaltung?

Bislang unerprobt ist der Einsatz von nützlichen Tierarten in der Verwaltung. Dabei haben die lichtscheuen Papierfischchen das Potenzial, die Digitalisierung in den Amtsstuben zu beschleunigen. Gelangen diese Insekten in Bücherregale oder Archive, können sie innerhalb weniger Jahre alles Papiermaterial zerstören. Nicht auszudenken, was sie in den Aktenbergen anrichten könnten, die in manchen allzu gemächlich arbeitenden Behörden auf den Schreibtischen lagern. Gegen eine durchgehend ­digitale Aktenbearbeitung hätten sie keine Chance. Aber so könnten die Papierfischchen lahm trabende Verwaltungshengste vor sich hertreiben.

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