Serie „100 Jahre Frauenwahlrecht“

Kampf um Frauenrechte geht weiter

Karin Billanitsch04. Dezember 2018
Bundesministerin Franziska Giffey (SPD): „Wir können stolz sein auf das, was wir erkämpft haben.“
In ihrer Rede zum Festakt „100 Jahre Frauenwahlrecht“ würdigt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) die Errungenschaften der Frauenbewegung.

Obwohl Frauen seit 100 Jahren wählen und gewählt werden, ist gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern keine Selbstverständlichkeit. „Der Kampf um mehr Frauenrechte geht weiter“, betonte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey anlässlich des Festaktes des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Langer Weg in die Ämter

Die Bundesfrauenministerin erinnerte an den langen Weg, den Frauen gehen mussten, um so weit zu kommen: „War es noch vor 100 Jahren in den Rathäusern so, dass wenn der Stadtverordnetenvorsteher ans Pult trat, er ganz selbstverständlich die versammelte Gemeinde begrüßte mit ‚Meine sehr verehrten Herren‘. Der Saal der Stadtverordneten hat sich überall gewandelt, und ist nicht mehr so, dass Frauen den Raum nicht einmal mehr als Zuschauerinnen betreten dürfen“, fährt Giffey fort. Frauen seien doch nicht in der Lage politisch zu denken und zu handeln, hieß es damals, skizziert sie die Ausgangsbasis.

Und dann wurden 1920 in Berlin die ersten vier Frauen in die Bezirksvertretungen gewählt: Gertrud Scholz, die bekannteste, sei bis zur Machtübernahme der Nazis politisch aktiv gewesen und auch nach dem 2. Weltkrieg wieder im Bezirk Reinickendorf. Daran erinnert die Ministerin, die selbst auf kommunaler Ebene Bürgermeisterin in Neukölln war. „Wir denken heute nicht nur an ­Frauen wie Marie Juchacz, die dem ersten Reichstag angehörten, sondern an die vielen Frauen, die sich damals und heute politisch engagieren, und das auf allen Ebenen.“

Giffey: „Wählen gehen ist wichtig“

Trotz der Freude über die Errungenschaften müsse man aber weiter streiten, stellt Giffey klar und nennt die wichtigsten Aufgaben von heute: „Es geht um Themen wie gleichen Lohn für gleiche Arbeit, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Aufwertung der so­zialen Berufe und um den Schutz vor Gewalt.“ Es sei wichtig, dass Frauen wählen gingen, so die Ministerin weiter. Genauso wichtig sei, dass sie für politische Ämter kandidieren und gewählt werden. „Dann bewegt sich nämlich mehr für Frauen!“

Sie konstatiert: „Frauen können alles – das ist nicht nur Fakt, sondern Forderung zugleich. Und wenn die Hälfte der Bevölkerung aus Frauen besteht – warum dann nicht auch die Parlamente? Gleiche Chancen für Frauen und Männer sind gut für unsere Demokratie. Dafür zu streiten, lohnt sich auch heute noch“, so Giffey.

Weniger Frauen im Bundestag

Allerdings, das zeigt die Statistik, sind Frauen beispielsweise im Bundestag nach der vergangenen Wahl nur noch mit 31 Prozent vertreten, sechs Prozent weniger als in der Legislatur zuvor. Das ist der Stand von vor 20 Jahren.

Als im Januar 1919 die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung zum ersten Mal unter Beteiligung von Frauen als Wählerinnen und Gewählte stattfand, kandidierten 300 Frauen – 37 weibliche Abgeordnete zogen ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung der Frauen lag bei dieser historischen Wahl bei 80 Prozent. Giffey: „Wir können stolz ­darauf sein, auch auf das, was sich Frauen seitdem erkämpft haben. Und auch heute ist es wichtig zu fragen: Wofür streitest Du?“ Jede und jeder einzelne könne sich einsetzen für eine bessere Gesellschaft mit gleichen Rechten. Deshalb habe das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine deutschland­weite Jubiläumskampagne gefördert.

 

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