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Kommunalwahlkampf in Köln: Mit Abstand und roter SPD-Maske

Maria Helmis25. August 2020
Maria Helmis
Für Maria Helmis sollte 2020 ein besonderes Jahr werden. Erstmals kandidiert sie in Köln für den Stadtrat. Durch Corona setzt sie im Wahlkampf vor allem auf digitale Aktionen, freut sich aber, dass inzwischen auch wieder persönliche Begegnungen möglich sind.

Wahlkämpfe sind Schlüsselphasen politischer Kommunikation, bescheinigt die Bundeszentrale für politische Bildung. Ich bin nun seit 14 Jahren Mitglied bei den Jusos und seit 12 Jahren in der SPD. Dabei habe ich unzählige Wahlkämpfe aktiv mitgestalten dürfen – von Oberbürgermeister-, über Kommunal- hin zu Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen. Ich habe Bustouren organisiert, Bürgerinitiativen gegründet, Luftballons verteilt, Haustürbesuche absolviert und vor allem eins: die direkte Begegnung mit den Wähler*innen gesucht.

Die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr sollte ein Meilenstein für mich werden: meine erste eigene Kandidatur für den Kölner Stadtrat. Ich war bereit: mit dem besonderen Drang, Kulturpolitik endlich auch auf parlamentarischer Ebene gestalten zu können und motiviert, mich durch einen mutigen und persönlichen Wahlkampf als junge und außerhalb der Partei- und Kulturszene noch recht unbekannte Kandidatin für meinen Wahlkreis stark zu machen. Auf Corona konnte sicherlich niemand vorbereitet sein. Für mein Wahlkampfteam und mich war schnell klar: Wir werden es dennoch anpacken. Und wir werden kreativ werden müssen!

Nach der ersten Hürde einer lockdownbedingt sehr spät stattfindenden Nominierung durch die Wahlkreisdelegiertenkonferenz war es Anfang Juni endlich soweit: Der Wahlkampf durfte losgehen!

Instagram als zentrale Plattform

Doch was für ein Wahlkampf war coronabedingt überhaupt verantwortungsvoll und umsetzbar? Vor der großen Zoom-Müdigkeit, noch während des Lockdowns, nutzen wir das Online-Videoformat beinahe täglich: sowohl Planungssitzungen als auch Podiumsdiskussionen mit Multiplikator*innen, ja sogar Stammtische hielten wir über die Plattform ab. Instagram wurde zu meiner zentralen Dialogstelle. Hier trat ich gezielt mit wichtigen Multiplikator*innen aus meinem Wahlkreis in Kontakt, führte Umfragen und Live-Insta-Talks mit hunderten von Views durch. Umso schöner war es, dass sich aus diesen Kontakten nach und nach echte Begegnungen mit unterschiedlichsten Akteur*innen ergaben. Hier gelang es, das Digitale als Ausgangspunkt für analoge Kommunikationswege zu nutzen.

Einen besonderen Schub hat mir das Aufhängen der Wahlplakate gegeben: Endlich war meine Kandidatur nicht mehr nur etwas Abstraktes und im digitalen Raum Verhandeltes. Ich war sichtbar und wollte nun auch stärker persönlich ansprechbar werden und trotz Abstandsregelungen möglichst viele Menschen erreichen. In großer Stückzahl haben wir griffige, aktualitätsbezogene Postkarten für verschiedene Zielgruppen erstellt und sie Tag und Nacht verteilt.

Guerilla-Aktionen mit QR-Codes

Besonders gut kamen unsere Interventionen im öffentlichen Raum an: Wir erstellten abziehbare Aufkleber mit QR-Codes zu meinem Instaprofil. Über selbst angebrachte Straßenschilder mit Frauennamen – von denen es in meinem Wahlkreis keine gibt – startete ich eine Guerilla-Aktion, die zu intensiven Diskussionen in den sozialen Netzwerken um Gleichstellung als städtisches Thema führte.

Da die klassischen Stände coronabedingt schwierig zu gestalten sind – und ich sowieso nie ein Fan dieser war –, griffen wir zu leuchtend roten SPD-Sitz-Würfeln, die wir mit wohnungspolitischen Fakten und Forderungen beschrifteten und an zentralem Orten ausstellten, um die Aufmerksamkeit der vorbeigehenden Passant*innen zu erregen. Dies gelang: Die Menschen setzten sich auf die Würfel und unterhielten sich auf Abstand mit uns. Auch nahmen sie sich unser Material von der desinfizierten Oberfläche, um sich über unsere Themen zu informieren.

Videos und Share-Pics selbstverständlicher

Positiv finde ich, dass sich die gesamte Partei im Kommunalwahlkampf nun zunehmend dem Digitalen geöffnet hat. Kurze Videos und Share-Pics sind selbstverständlicher, als sie es vielleicht ohne Corona gewesen wären. Jedoch bin froh, dass es zunehmend wieder echte Begegnungen gibt: Gießaktionen mit Nachbar*innen auf öffentlichen Plätzen oder Mitgliedsversammlungen von Bürgervereinigungen, auf denen vorsichtig Veranstaltungen und Aktionen für das nächste Jahr geplant werden. Am Wochenende habe ich auf einer Demo von Kulturveranstalter*innen geredet. Diese Woche spreche ich auf einer Podiumsdiskussion vor zahlreichen Jugendlichen. Es gibt sie zunehmend wieder: die echte Begegnung. Auf Abstand. Und mit meiner leuchtend roten SPD-Maske.

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