Blog Aus den Bundesländern

Trotz Corona im persönlichen Austausch mit der Bürgerschaft – das geht

Mathias Michalski21. Mai 2021
Mathias Michalski, Stadtrat in Heidelberg
Alles online, oder was? Dem Heidelberger SPD-Stadtrat Mathias Michalski genügen digitale Formate nicht als Ersatz für die persönlichen Gespräche vor Ort. Im Blogbeitrag erklärt er, wie man auch in Corona-Zeiten Präsenz zeigen und Gutes tun kann.

Wenn Sie sich kommunalpolitisch engagieren oder die Freude haben, dass Sie von engagierten Menschen in den Rathäusern vor Ort vertreten werden, dann wissen Sie, wie sehr die kommunalpolitische Familie den direkten Austausch mit der Bürgerschaft vermisst. Corona hat uns alle vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Klar, die Gespräche über Schlaglöcher und Spielplätze gibt es ganz coronakonform immer noch, aber jeder Mensch, der sich vor Ort engagiert weiß, dass diese ergänzt werden von Gesprächen über Corona-Verordnungen, drohendem Arbeitsplatzverlust oder leider auch durch und mit Corona Verstorbene im engsten Kreis. Das ist tragisch und häufig kann man als Kommunalpolitiker nur zuhören oder zwischen den zuständigen Behörden vermitteln.

Onlineformate allein genügen nicht

Ja, mein Hauptaufgabengebiet war es in letzter Zeit Behördendeutsch zu übersetzen und Hilfen zu vermitteln. Als ehemaliger Mitarbeiter eines Jobcenters und heute in einem Landesministerium konnte ich wenigstens an der einen oder anderen Stelle für die Menschen da sein. Doch wie schafft man es, dass der Draht zum Bürger weiterhin aufrecht gehalten werden kann ohne Gesundheitsrisiken einzugehen? Ich habe viele gute bis sehr gute Onlineformate gesehen, aber, liebe Leserschaft, in meinem Heidelberger Stadtteil gibt es viele lebenserfahrene Menschen, die mit der Masse an Onlineformaten nichts anfangen können.

Sich kümmern und gleichzeitig Kontakt halten mit den Menschen war die Herausforderung, die wir trotz Corona bewältigen wollten. Wir haben ein bisschen etwas ausprobiert. Als FFP2-Masken noch rar und extrem teuer waren und es weder Berechtigungsscheine der Bundesregierung noch sonstige Unterstützung gegeben hat (ich erspare mir einen Kommentar zu allen, die erheblichen Schaden mit Masken für die Demokratie angerichtet haben), hatten wir die Möglichkeit für einen damals vernünftigen Preis eine große Menge an Masken zu bekommen. Warum? Wir haben mit Hilfe von sozialen Medien und der örtlichen Tageszeitung alle, die es wirklich gebrauchen können, dazu aufgerufen, sich  ganz ohne „Bedarfsprüfung“ zu melden. So habe ich binnen weniger Tage in meinem Stadtteil 200 Masken verteilt und mit Abstand viele spannende Gespräche geführt.

Ein anderes Beispiel waren unsere Fastnachtsumzugsüberlebenspakete. Sie finden, ein sperriges Wort? Wir auch, aber schauen Sie sich mal die Gesetzesnamen der letzten Zeit an – wir wollten da einfach mithalten. Heidelberg ist keine Fastnachtshochburg, aber eine, in der das Brauchtum gepflegt wird. So haben wir gängigstes Wurfmaterial bestellt, Tüten gepackt und an alle, die den Fastnachtsumzug 2021 vermisst haben, ausgeliefert. So kamen über 100 Tüten und persönliche Gespräche zusammen.

Backen für Menschen ohne Obdach

Ich will hier nicht alles aufzählen, aber meine größte Herausforderung war das Backen von Osterlämmern zugunsten von Obdach e. V. Heidelberg. Eine Initiative, die sich um obdachlose Menschen kümmert, die nicht nur seit Corona häufig vergessen werden. So kamen 4 kg Butter, 70 Eier, 1,5 Kg Zucker und 7 kg Mehl zusammen, um am Ende 57 Osterlämmer herzustellen. Diese gab es inklusive persönlicher Lieferung im ganzen Stadtgebiet und darüber hinaus zum Solidaritätspreis von 10 Euro, und wer mehr geben konnte, war herzlich dazu eingeladen.

So kam eine Summe von 867,00 Euro zusammen, was durch einen großzügigen CDU-Stadtverordneten aus dem benachbarten hessischen Heppenheim auf über 1.000 Euro aufgerundet wurde. Markus Viereckl und ich kennen uns schon lange, aber ich kann hier sagen: Das war die einzige Große ­Koalition, die mir gefallen hat!

 

Dieser Text stammt aus dem Landes-SGK EXTRA Baden-Württemberg der DEMO und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der SGK Baden-Württemberg.

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