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Unser Wasser muss oberste Priorität haben

Angelika Löber18. Oktober 2017
Angelika Löber, MdL
Angelika Löber, MdL
Ob es um den Straßenbau, neue Gewerbegebiete oder andere politische Entscheidungen geht: Wasser muss zu einem Thema jeder Beschlussvorlage werden. Das meint die hessische Landtagsabgeordnete Angelika Löber. Warum ihr das wichtig ist, schildert sie am Beispiel Hessen.

Wasser ist eines der wertvollsten Güter überhaupt. Sein Bedarf steigt. Experten sagen seit vielen Jahren, dass der Krieg der Zukunft nicht um Öl, sondern um Wasser geführt wird. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Versorgung mit sauberem Trinkwasser selbst im wasserreichen Deutschland eines Tages nicht mehr selbstverständlich sein. Wälder und Auen werden vertrocknen. Die Kosten für die Daseinsvorsorge des Einzelnen werden immens steigen. Deshalb muss dem Wasser in der Politik absoluter Vorrang eingeräumt werden.

Es muss investiert werden

Wirtschaftliche und industrielle Interessen müssen immer auch im Zusammenhang mit ihren Auswirkungen auf das Wasser – insbesondere das Grundwasser – betrachtet werden. Brunnen dürfen nicht geschlossen werden, weil der Bau von Gewerbegebieten ansteht. Die Folge solcher Vorgehensweisen ist, dass Wasser aus anderen Versorgungsgebieten herbeigepumpt werden muss. Wie etwa im Rhein-Main-Gebiet, das reich an Industrie ist.

Experten sagen jedoch, dass das Rhein-Main-Gebiet sich selbst mit Wasser versorgen könnte, wenn in das Leitungsnetz und die Wasseraufbereitung investiert würde. Es gilt daher auch, Verantwortung für Leitungssysteme und die Aufbereitung von Wasser zu übernehmen.

Anders planen, größer denken!

Wasser muss zu einem Thema jeder Beschlussvorlage werden. Sei es der Straßenbau, die Ausweisung von Gewerbegebieten, die Einführung von Chipkarten oder die Ausbringung von Düngemitteln – immer müssen die damit in Verbindung stehen Auswirkungen auf das Wasser geprüft und bewertet werden. Darüber hinaus gilt es Regionen anders zu planen und größer zu denken. Wasser muss auch bei der Landentwicklung künftig der Maßstab sein. Menschen ziehen dorthin, wo es Arbeit für sie gibt. Dort wird viel Wasser benötigt. So wird im Rhein-Main-Gebiet der Wasserverbrauch bis zum Jahr 2030 dramatisch steigen. Schon heute kommt die Hälfte des Wassers für diese Region aus einer überörtlichen Versorgung. Es wird durch Fernleitungen aus dem Hessischen Ried, aus dem Vogelsberg und aus Mittelhessen herbeigepumpt.

Zeitgleich muss mehr Wasser aufgebracht werden, um die Leitungen in den ländlichen Regionen zu spülen. Weil dort immer weniger Menschen wohnen, wird immer weniger Wasser durch ihr Netz gepumpt. Die Gefahr von bakteriellen Ablagerungen wächst.

Abwanderung macht Wasser teurer

Aufgrund der Abwanderung in die Ballungsräume werden immer weniger Menschen die gleichbleibend hohen Kosten der Wasserversorgung im ländlichen Raum tragen müssen. Diese sind für den Einzelnen oft doppelt so hoch wie im Ballungsraum. Die Entwicklung der Regionen sollte sich deshalb auch nach dem Vorkommen des Wassers und der Versorgung mit Wasser richten.

Es ist wichtig, für die Sauberkeit des Wassers Verantwortung zu übernehmen. Kontrollen sorgen dafür, dass wir in Deutschland das Wasser aus dem Hahn trinken können. Kritiker meinen, dass die Kontrollen oft nicht streng genug sind. Medikamente, Wasch- und Reinigungsmittel, Dünge- und Pflanzenschutzmittel belasten unser Wasser. Nitrat ist diesbezüglich eine Zeitbombe. Denn es dauert rund zehn Jahre, bis Nitrat im Grundwasser ankommt. Die Folgen sind demnach noch nicht abzuschätzen. Fest steht, dass Deutschland EU-weit die zweithöchste Nitratkonzentration im Wasser hat und es noch ein langer Weg bis zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie spätestens zum Jahr 2027 ist.

Es ist deshalb wichtig, entschlossener vorzugehen und mutig zu sein. Wir brauchen konsequente Verbote, was die Einbringung von Schadstoffen in unser Trinkwasser anbelangt. Denn sauberes Wasser ist laut Resolution der Vereinten Nationen ein Menschenrecht.

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