Report Anzeigensonderveröffentlichung
Verkehrsplanung

Städtischer Verkehr in Zeiten vor und nach Corona

Harald Lachmann30. Juni 2020
Nein, zurück ins Pferdezeitalter will Dresden nicht. Aber der Trend geht dahin, Fußgängern unf Radfahrern auf der Straße mehr Platz einzuräumen.
Verkehrswissenschaftler der TU Dresden untersuchen das Verhalten von Einwohnern und Pendlern im Mai und Juni.

Wenn das öffentliche Leben selbst in einer pulsierenden Landeshauptstadt fast zum Erliegen kommt, weil ein großer Teil der Einwohner ins Homeoffice geschickt wurde, Schulen und Kitas schließen mussten und damit auch Tausende ­Autos nicht bewegt werden – wie schlägt sich das in der urbanen Mobilität nieder? Und wie kommt die Stadt wieder in Bewegung, wenn die Corona-­Beschränkungen langsam gelockert werden? Beförderten die Wochen der Quarantäne auch ein Umdenken beim Verkehrsverhalten gegenüber den normalen Zeiten zuvor?

Smartphonebasierte Erhebung

Diese und weitere Fragen untersuchen gegenwärtig Verkehrswissenschaftler der Forschungsgruppe Mobilität der TU Dresden. Alle erwachsenen Einwohner der Stadt aber auch regelmäßige Einpendler waren von Anfang Mai bis Ende Juni gebeten worden, sich freiwillig an einer smartphonebasierten Mobilitätserhebung „Dresden in Bewegung – Stadtverkehr in besonderen Zeiten“ zu beteiligen. Ziel sei es, so Projektleiter Stefan Hubrich, „wichtige Daten für einen klimafreundlichen Stadtverkehr zu gewinnen“.

Als informationstechnische Grundlage diente die eigens hierfür vom schwedischen Unternehmen Trivector entwickelte App TravelVu. Dank dieser könne man, so führt Hubrich aus, „in anschaulichem App-Design nachverfolgen, wie man sich inner- und außerhalb von Dresden fortbewegt und wie viel Zeit dabei mit verschiedenen Aktivitäten verbracht wird“. Lernende Algorithmen sowie Sensoren im Smartphone unterstützen die Erfassung und schlagen den Teilnehmern zugleich Verkehrsmittel und Aktivitäten vor. Darüber hinaus ist es möglich, eigene Wege und Aktivitäten in einer interaktiven Karte nachzuvollziehen und gegebenenfalls an­zupassen.

Die Forscher betonen, dass sowohl alle hierbei erhobenen Daten anonym erfasst werden, als auch dass mit diesem Programm keinerlei Registrierung von Corona-Infektionen oder Corona-Verbreitungswegen verbunden gewesen sei. Alle Ergebnisse würden nach Projektende zusammengefasst dargestellt, so dass Rückschlüsse auf einzelne Personen unmöglich wären. Bereits im Mai beteiligten sich über 500 Interessenten wenigstens eine Woche lang an dem Projekt, und im Juni erhöhte sich diese Zahl offenbar noch. Die Wissenschaftler erwarten damit ein „belastbares Ergebnis“. Gerade mit den Juni-Daten könnten verschiedene Lockerungsphasen nach dem Corona-Lockdown abgebildet werden, so Hubrich. Damit werde sich „zeigen, ob das Verkehrsverhalten in Dresden anders als in normalen Zeiten ist und welche Verkehrsmittel mit weiteren Lockerungen der Corona-Beschränkungen genutzt“ würden.

Datenbasis für die Verkehrsplanung

Die Stadt Dresden, in deren Auftrag die Wissenschaftler tätig sind, erhofft sich letztlich eine einmalige Datenbasis, um die künftige Verkehrsplanung auf Grundlage des alltäglichen Mobilitätsverhaltens im Stadtgebiet „besser und krisensicherer gestalten zu können“, so Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Immerhin wächst die sächsische Metropole – sie zählt derzeit 545.000 Einwohner – im Jahr um rund fünf Prozent. Zudem verzeichnet sie ein jährliches Einpendlerwachstum von 15 Prozent. Mithin wird die Stadt immer dichter, was auch zu kürzeren Verkehrswegen führt.

„Dresden in Bewegung“ ist überdies Bestandteil eines internationalen Projektes, das vom Netzwerk EIT Climate-KIC am Europäischen Institut für Innovation und Technologie mit Sitz in Budapest finanziert wird. Parallel finden auch Erhebungen in Norwegen, Dänemark und Italien statt. Und es ist auch nicht die erste Erhebung dieser Art durch die Experten der TU Dresden. Bereits 2013 und 2018 gab es ähnliche Projekte in der Stadt. Dabei registrierten sie in Auswertung der Analysen von 2018, dass der „Umwelt­verbund aus Fußverkehr, Radverkehr und ÖPNV seit 20 Jahren ungebrochen wächst“.

Dessen Anteil liegt nun bei 64 Prozent, wobei größter Gewinner der Radverkehr sei: Von 2013 bis 2018 war die Anzahl der Fahrten per Rad im Dresdner Stadtgebiet um 70 Prozent auf täglich 362.000 gestiegen. Pkw würden dagegen seltener und kürzer benutzt. ­Einen weiteren Trend in diese Richtung erwarten die Experten nun auch aus dieser jüngsten Erhebung.

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