Wettbewerb Klimaaktive Kommune 2020

Diese zehn Kommunen werden für ihr Klima-Engagement ausgezeichnet

DEMO Redaktion27. November 2020
Gründach-Strategie in Osnabrück: Screenshot aus dem Film zur Preisverleihung 2020.
Das Bundesumweltministerium hat die Sieger des Wettbewerbs „Klimaaktive Kommune“ bekanntgegeben. Die zehn Sieger zeigen exemplarisch, was Städte und Gemeinden tun können: Null-Energie-Schulgebäude über „Energiepflanzen“ bis zu Multimedia-Kampagnen.

Ganze 176 Beiträge wurden in diesem Jahr für den Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ eingereicht. Am Donnerstag wurden die zehn Sieger des Jahres 2020 bekanntgegeben. Das Bundesumweltministerium richtet den Wettbewerb gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in Kooperation mit den drei kommunalen Spitzenverbänden aus. Mit dem Preis werden besonders vorbildliche Projekte zur Umsetzung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen öffentlich gewürdigt. Die Sieger erhalten ein Preisgeld von je 25.000 Euro, das als Förderung in weitere Klima-Maßnahmen fließen soll.

Drei Kategorien und ein Sonderpreis

Bewerben konnten sich die Kommunen auf die Kategorien „Ressourcen- und Energieeffizienz“, „Klimaanpassung“ und „Mitmachaktionen“. Außerdem gab es in diesem Jahr eine Sonderkategorie „Kommune und Jugend gemeinsam klimaaktiv“.

Wie das Bundesumweltministerium mitteilt, sind dies die Sieger 2020:

Kategorie 1: Ressourcen- und Energieeffizienz in der Kommune

Stadt Aalen (Baden-Württemberg): Null-Energie-Neubau am Schubart-Gymnasium. Begründung laut Umweltministerium: „Mit dem Fachklassentrakt am Schubart-Gymnasium hat die Stadt Aalen ein Null-Energie-Gebäude errichtet, das auf eine Kombination aus erneuerbarer Energie, Energieeffizienz und Ressourcenschonung setzt. Dabei kommt das Gebäude in weiten Teilen ohne großen Technikeinsatz aus und nutzt stattdessen – wo immer möglich – natürliche Prinzipien wie etwa Licht und Thermik. Die Bilanz spricht für sich: Das Gebäude produziert so viel Energie, wie es verbraucht, und sorgt zusätzlich für ein optimales Lernklima für die Schülerinnen und Schüler.“

Main-Taunus-Kreis (Hessen): Strombilanzkreismodell. Begründung: „Mit seinem Strombilanzkreismodell hat der Main-Taunus-Kreis eine Strategie entwickelt, um überschüssige erneuerbare Energie, die in seinen Liegenschaften produziert wird, bilanziell nicht ins öffentliche Netz einzuspeisen, sondern in den eigenen Liegenschaften ohne regenerative Stromerzeuger zu verbrauchen. Dadurch erhöht der Kreis die Wirtschaftlichkeit seiner Anlagen und den Versorgungsgrad mit selbst erzeugtem, klimafreundlichem Strom vor Ort. Jährlich können so Gelder in fünfstelliger Höhe eingespart und in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden.“

Stadt Geisa (Thüringen): Klimafreundliche Nahwärmeversorgung in einer denkmalgeschützten Altstadt. Begründung: „Die Stadt Geisa zeigt mit ihrem Projekt, dass Denkmalschutz und Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen. Mit zwei effizienten Holzhackschnitzelanlagen, die zwei getrennte Nahwärmenetze versorgen, gelingt es der kleinen Gemeinde, alle kommunalen Gebäude in der denkmalgeschützten Altstadt sowie weitere Liegenschaften mit klimafreundlicher Energie zu beliefern. Neben effektiven CO2-Einsparungen profitiert die Kommune von gesunkenen Kosten und kann so in weitere Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz investieren.“

Kategorie 2: Klimaanpassung in der Kommune

Landeshauptstadt Dresden (Sachsen): Selbstverpflichtung zur Klimaanpassung bei kommunalen Hochbauvorhaben. Begründung: „Mit ihrem seit Ende 2019 geltenden Erlass „Dresden baut grün“ stellt die Landeshauptstadt Dresden sicher, dass bei allen kommunalen Hochbauvorhaben Fassaden- und Dachbegrünungen umgesetzt werden, zudem wird bei der Gestaltung von Freiflächen eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung berücksichtigt. Mit einem ämterübergreifenden Erarbeitungsprozess ist es der Stadt erfolgreich gelungen, das Thema Klimaanpassung in der Verwaltung sowie bei vielen Akteuren zu verankern, um die Stadt klimagerecht weiterzuentwickeln.“

Landkreis St. Wendel (Saarland): Probeanbau der Energiepflanze „Durchwachsene Silphie“. Begründung: „Mit dem Probeanbau der Energiepflanze ‚Durchwachsene Silphie‘ leistet der Landkreis St. Wendel einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung sowie zum Klimaschutz. Gemeinsam mit dem Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land e. V. und weiteren regionalen Akteuren wurde der Anbau der ‚Durchwachsenen Silphie‘ systematisch erprobt und umgesetzt. Dank dieses Pioniergeistes trägt die klimarobuste Energiepflanze nun zur Einsparung von Ressourcen und zur regionalen Energiewende bei.“

Stadt Osnabrück (Niedersachsen): Gründachstrategie zur Klimafolgenanpassung. Begründung: „Mit ihrer Gründachstrategie sorgt die Stadt Osnabrück dafür, dass das Thema Dachbegrünung vor Ort erfolgreich umgesetzt wird. Mit Hilfe eines Gründachkatasters, eines Förderprogramms und der Festlegung ökologischer Kriterien in der Bauleitplanung wirkt die Stadt den Folgen des Klimawandels entgegen. Die Gründachstrategie wird als Gemeinschaftsaufgabe gesehen und ist im Bestand sowie im Neubau, im privaten wie im kommunalen Eigentum zu realisieren.“

Kategorie 3: Kommunale Klimaaktivitäten zum Mitmachen

Landeshauptstadt München (Bayern): Kampagne „München Cool City“. Begründung: „Mit ihrer komplexen, multimedialen Klimaschutzkampagne ‚München Cool City‘ sensibilisiert und mobilisiert die Landeshauptstadt München Bürgerinnen und Bürger erfolgreich zu mehr Klimaschutz im Alltag. Über eine Website, Pressearbeit, Social Media, Wettbewerbe, Veranstaltungen, Veröffentlichungen und vieles mehr ist das Thema Klimaschutz stadtweit kontinuierlich präsent und erreicht mit vielfältigen Angeboten viele unterschiedliche Zielgruppen. Bei der Umsetzung von ‚München Cool City‘ arbeiten verschiedene Akteure aus Verwaltung und Stadtgesellschaft zusammen.“

Rems-Murr-Kreis (Baden-Württemberg): Förderprogramm „Agenda 2030 – Projekte für eine nachhaltige Entwicklung mit Bezug zum Klimaschutz“. Begründung: „Mit seinem Förderprogramm ‚Agenda 2030 – Projekte für eine nachhaltige Entwicklung mit Bezug zum Klimaschutz‘ unterstützt der Rems-Murr-Kreis gemeinnützige Vereine mit Sitz im Kreis bei der Umsetzung von klimaschutzrelevanten und nachhaltigen Projekten. Von 2019 bis 2022 stehen dafür jährlich 50.000 Euro zur Verfügung. Dabei ist der Rems-Murr-Kreis nicht nur Fördermittelgeber, zusätzlich unterstützt er die einzelnen Projekte bei ihrer Umsetzung und präsentiert sie öffentlichkeitswirksam. Andere Kommunen können das Förderprogramm übernehmen und an ihre Bedürfnisse anpassen.“

Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen): „Klimaschutzbürger 2.0“. Begründung: „Mit seinem Projekt ‚Klimaschutzbürger 2.0‘ motivierte der Kreis Steinfurt ausgewählte Haushalte dazu, ein Jahr lang an einem medial begleiteten Selbstversuch teilzunehmen, wie Klimaschutzmaßnahmen in den Alltag integriert und damit Ressourcen, beispielsweise Energie oder Wasser, eingespart werden können. Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten machte der Kreis die Teilnehmenden rundum fit in Sachen Klimaschutz. Diese wurden zu erfolgreichen Botschafterinnen und Botschaftern für Klimaschutz und regten andere öffentlich zum Nachmachen an. Bei den Beteiligten zeigten sich schon nach wenigen Monaten messbare Ressourceneinsparungen von fast zehn Prozent. Projektpartner war der Verein energieland2050 e. V.“

Sonderpreis Kommune und Jugend gemeinsam klimaaktiv

Stadt Bremerhaven (Bremen): Jugendklimarat Bremerhaven. Begründung: „Mit dem Jugendklimarat wurde in der Stadt Bremerhaven ein ständiges Beteiligungsgremium etabliert, das die Zusammenarbeit von Jugendlichen und Verwaltung stärkt und den Mitgliedern tiefere Einblicke in kommunale Entscheidungsprozesse ermöglicht. Mit eigenen Projekten und Initiativen kann sich der Jugendklimarat aktiv im kommunalen Klimaschutz und bei der Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels einbringen. Dies fördert das Klimaschutzbewusstsein junger Menschen in Bremerhaven und trägt zu einer zukunftsfähigen Stadtgestaltung bei.“

Preisträger sollen Vorbild sein für andere

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Rita Schwarzelühr-Sutter erinnerte anlässlich der Preisverleihung an das Corona-Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Damit wurden die Förderbedingungen für Klimaschutzmaßnahmen noch einmal verbessert, sodass die Kommunen weniger Eigenanteil aufbringen müssen. „Das Konjunkturprogramm wird in Kommunen als Beschleuniger für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Weg in die Zukunft dienen“, ist sie überzeugt.

Der Wissenschaftliche Direktor des Difu lobte: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen wieder, wie vielfältig Klimaschutz in Kommunen umgesetzt wird und wie engagiert sich viele Menschen vor Ort für das Thema einsetzen. Sie leisten einen sehr wichtigen Beitrag und sind exzellente Vorbilder und Impulsgeber.“

Der Wettbewerb wird seit 2009 jährlich ausgelobt. Die Preisvergabe erfolgt stets im Rahmen der Kommunalen Klimakonferenz. Zum ersten Mal konnten die Preise in diesem Jahr coronabedingt nicht persönlich übergeben werden. Stattdessen gab es eine virtuelle Preisverleihung mit einem Film, der auf klimaschutz.de zu sehen ist.

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