Mobilität

Esslingen macht ÖPNV besser und elektromobil

Julian Krischan03. September 2018
Esslingen macht elektromobil: In wenigen Jahren werden die städtischen Verkehrsbetriebe ausschließlich mit elektromobilen Fahrzeugen unterwegs sein. Diese nutzen die verfügbare Oberleitungsinfrastruktur flexibel: Mit aufgeladener Batterie kann der Elektrohybridbus nach dem Abkoppeln auf anderen Strecken weiterfahren.
In der Stadt Esslingen gab es kürzlich einen außerplanmäßigen Fahrplanwechsel. Dies war jedoch kein bloßer Verwaltungsakt, sondern ein klares Bekenntnis der Kommune zu einem besseren und umweltverträglicheren öffentlichen Personennahverkehr.

Eigentlich war es nur eine rechtliche Anforderung, den öffentlichen Nahverkehr im Wettbewerb zu vergeben. Doch schon hier machte die Stadt Esslingen zusammen mit dem Landkreis mehr: In die Direktvergabe an den städtischen Verkehrsbetrieb SVE wurden auch Linien einbezogen, die bisher von privaten Unternehmen betrieben wurden. Schon seit Jahrzehnten gab es hier Kooperationen. Seit Längerem waren auch die Fahrgeldeinnahmen der Unternehmen mit den Ausgaben der Stadt verrechnet worden.

Subunternehmervergabe

Im Zuge der Direktvergabe wurde nun mit dem Landkreis vereinbart, dass dieser den bislang von der Stadt aufgewendeten Finanzanteil für den ÖPNV übernimmt – aus Gerechtigkeit für Esslingen gegenüber den anderen Kommunen im Kreis. Da der städtische Verkehrsbetrieb weiterhin nicht alle Fahrten selbst durchführt, wurde hierzu eine Subunternehmervergabe nach Sektorenverordnung eingeleitet. „Wir haben unsere Qualitäts- und Entscheidungskriterien direkt in die Vergabebekanntmachung geschrieben. So ist es härter, aber rechtssicherer“, berichtet Bürgermeister Ingo Rust (SPD). Von den vier eingegangenen Angeboten erhielt das preisgünstigste den Zuschlag. Die Stadt hat dadurch weitere Ersparnisse.

Ingo Rust (SPD), Finanzbürgermeister der Stadt Esslingen. Unter seiner Dezernatsleitung werden maßgebliche Verbesserungen des öffentlichen Verkehrs und der städtischen Verkehrsbetriebe vorangetrieben.

Dabei war klar, dass im Bereich des ÖPNV frei werdende Mittel weiterhin für diesen verwendet werden sollen. Zeitlich passend zum neuen Betriebskonzept präsentierten Ingo Rust und sein Kollege Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger (ebenfalls SPD) dem Gemeinderat ein mehrseitiges Strategiepapier. Darin enthalten sind Taktverdichtungen und größere Fahrzeuge auf stark nachgefragten Strecken. Im Einklang mit einem kontinuierlichen „Monitoring“ für Qualität und Nachfrage sollen zudem neue Linien eingerichtet werden. Geplant sind in diesem Zusammenhang Schnelllinien, Stadtteilbusse und ein „Ride Pooling“ – ein Bus, der nach Voranmeldung über App seinen Linienverlauf anpassen kann.

WLAN in den Fahrzeugen

Darüber hinaus gehört eine Vielzahl von weichen Faktoren zur neuen Strategie in Esslingen, unter anderem ein neuer „Infopoint“ am zentralen Omnibusbahnhof, Echtzeitinformationssysteme, eine Nutzung sozialer Medien wie auch WLAN in Fahrzeugen, eine „Busschule“ für die Kleinen und Haltestellenansagen von lokalen Persönlichkeiten. Durch zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung hofft man, den Anteil des ÖPNV am „Modal Split“ schnellstmöglich um 20 Prozent zu erhöhen. Wo es möglich ist, sollen Busbuchten zurückgebaut werden und der Bus auf der Fahrbahn halten. Ein gewachsener Stellenwert des ÖPNV manifestiert sich auch auf diese Weise, außerdem wird der Verkehrsfluss beruhigt.

Als eine von bundesweit drei Städten mit einem Oberleitungsbusnetz wurde in Esslingen auch dieser Umstand berücksichtigt. Mit Mehrheit wurde im Gemeinderat beschlossen, den Anteil der vom städtischen Verkehrsbetrieb am neuen Linienbündel gefahrenen Kilometer auf 63 Prozent festzusetzen. Für diese Steigerung des Betriebsumfangs um circa 25 Prozent wurden sogenannte Elektrohybridbusse beschafft. Diese haben eine Batterie, die sich beim Fahren im Oberleitungsnetz auflädt. Nach dem Abkoppeln kann der Bus mit Leistung der Batterie weiterfahren. Auf diese Weise wird das bisherige Oberleitungsbusnetz linienunabhängig und soll in seiner Funktion als Ladeinfrastruktur erweitert werden – insbesondere an Steigungen jenseits der Neckartalaue. Durch weitere Neubeschaffungen wird der städtische Verkehrsbetrieb schon in wenigen Jahren zu hundert Prozent mit elektromobilen Fahrzeugen unterwegs sein. In besonderem Maß leistet der ÖPNV damit einen Beitrag zum Umweltschutz: Elektromobilität ist eine der schlagkräftigsten Maßnahmen für konsequente Luftreinhaltung.

 

 

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