Aktuelles

Preis für Bürgermeister aus Griechenland und Italien

10. Januar 2017 16:47:30
Spyridon Galinos von der griechischen Insel Lesbos und Giusi Nicolini werden geehrt für ihren Einsatz bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise.
placeholder

Jedes Jahr vergibt der Olof-Palme Gedächtnisfond in Stockholm den Olof-Palme-Preis. Für das Jahr 2016 bekommen zwei Bürgermeister den von der Familie Olof Palme und dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei in Schweden gestifteten Preis im Wert von 100.000 US-Dollar. Spyridon Galinos aus Lesbos und Giusi Nicolini, Bürgermeisterin in Lampedusa and Linosa, erhalten den Preis für ihre inspirierende Führung in einer der schwierigsten Phasen unserer Zeit, wobei sie „tausende Leben gerettet und Hoffung und Glauben an die Zukunft gegeben“ hätten, wie es in der Begründung zur Ehrung heißt.

Gemeinsam mit ihren Bürgern hätten Spyridon Galinos and Giusi Nicolini ihren Verstand und ihre Gesellschaft für Mitmenschen geöffnet, die vor Krieg, Terror und elend geflohen sind. In einer „immer gefährlicheren und grausameren Welt“ sind sie für das humanistische Prinzip eingestanden, dass es “wichtiger ist, Menschen zu beschützen statt Grenzen“.

Menschenwürdige Flüchtlingspolitik gefordert

Giusi Nicolini wurde im Jahr 2012 gewählt. Bereits im ersten Jahr ihrer Amtszeit erregte sie mit einem öffentlichen Brief über die Flüchtlingskrise Aufmerksamkeit. „Wie groß muss der Friedhof meiner Insel noch werden?“, fragt sie und schildert in eindringlichen Worten die Situation. „Wenn Europa aber so tut, als seien dies nur unsere Toten, dann möchte ich für jeden Ertrunkenen, der mir übergeben wird, ein offizielles Beileidstelegramm erhalten. So als hätte er eine weiße Haut, als sei es eines unserer Kinder, das in den Ferien ertrunken ist.“ 2015 erhielt sie den Theodor-Heuss-Preis, weil sie sich „beispielgebend für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik in Europa einsetzt“, wie es einer Mitteilung hieß. 

Spyridon Galinos, 2014 ins Amt gewählt, hatte im Jahr 2015 zeitweise die Ankunft von bis zu 7000 Flüchtlingen jeden Tag zu bewältigen. Lesbos hat insgesamt rund 80.000 Bewohner. Die Lage auf der griechischen Insel war zwischenzeitlich indes außer Kontrolle geraten: so hatten Flüchtlinge vor einigen Monaten aus Frust über lange Wartezeiten und überfüllter Lager auf Lesbos mehrere Gebäude der EU-Asylbehörde in Brand gesteckt. Im Lager Moria müssen mehr als 5000 Menschen, also weit mehr als die ursprünglich angenommenen 3500 Flüchtlinge ausharren. Nun setzt der Winter mit Schnee und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt den Flüchtlingen zu.

Die Auszeichnung erinnert an den gleichnamigen früheren schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme, der 1986 ermordet wurde. Am 30 Januar wird sie in Stockholm verliehen.

 

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

0 Kommentare
Noch keine Kommentare