Wenn der Müll gefährlich wird
Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), hält alte Waschmaschinen oder Kühlschränke für „wahre Schatzkisten an wiederverwendbaren Rohstoffen“. Die enthaltenen Metalle wie Eisen und Kupfer können oft noch sinnvoll verwertet werden. Dafür aber müssen sie richtig entsorgt werden – und das tut wohl nur eine Minderheit der Deutschen. Laut Umweltbundesamt betrug die Sammelquote für Elektroaltgeräte in Deutschland knapp 45 Prozent. Das bedeutet: Während fast zwei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte verkauft wurden, landeten im gleichen Zeitraum 782.214 Tonnen Altgeräte in den Sammelstellen.
Alte Akkus fangen Feuer
Auch wenn die Zahl der Elektrogeräte pro Haushalt insgesamt zunimmt, deutet diese Lücke darauf hin, dass ein großer Teil der Altgeräte falsch entsorgt wird. Diese Geräte landen im Hausmüll, auf der Straße oder bei illegalen Schrotthändlern, die den Elektromüll nach Afrika verschiffen.
Dieses Verhalten hat Folgen. „Ein Lithium-Ionen-Akku im Hausmüll ist durchaus eine Gefahr“, erklärt Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Wenn das Gerät im Müllwagen gehäckselt werde, könne es anfangen zu brennen. Die kommunalen Entsorgungsunternehmen bestätigen das. Es vergehe kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein solcher Akku anfange zu glühen und zu glimmen, sagt der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) Patrick Hasenkamp.
Ein weiteres Problem seien illegale Exporte, so Hasenkamp. „Es darf nicht sein, dass Elektroschrott aus Deutschland in Ghana auf der Müllkippe endet, wo Menschen unter äußerst gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen unseren Schrott auseinandernehmen müssen.“ Damit bezieht er sich etwa auf Arbeiter, die Altgeräte verbrennen um enthaltene Metalle freizulegen und dann schutzlos giftigen Dämpfen ausgesetzt sind. Für solche illegalen Sammlungen werde immer mal wieder mit Briefwurfsendungen geworben, heißt es aus dem Umweltbundesamt.
Deutschland muss seine Sammelquote erhöhen
Es gibt also gute Gründe, die Sammelquote zu steigern. Das muss Deutschland auch, weil ab 2019 eine neue EU-Vorgabe gilt. Dann sollen die Mitgliedsstaaten eine Quote von 65 Prozent einhalten statt wie bisher 45 Prozent. Von den neuen Zielen sei man „noch ein ganzes Stück entfernt“, räumt Umweltamt-Präsidentin Krautzberger ein.
Krautzberger hat am Montag vier Ansatzpunkte vorgestellt, um die Quote zu steigern: Die Rückgabe von Elektroaltgeräten müsse einfacher gestaltet werden. Die Verbraucher sollen noch besser informiert werden, wo sie Altgeräte abgeben können. Drittens fordert Krautzberger „gemeinsame Anstrengungen“, um gesetzliche Vorgaben stärker durchzusetzen, etwa beim Export ins Ausland. Und viertens wirbt Krautzberger dafür, die Produkte mehr wertzuschätzen – sie sollen langlebiger genutzt werden. Das sieht VKU-Vize Hasenkamp ähnlich: Oft seien es nur Kleinigkeiten wie ein kaputter Knopf, wegen dem ein ganzes Gerät weggeworfen werde.
Jährliche Informationskampagne zur Abfallvermeidung
Die Öffentlichkeit wird auf solche Themen regelmäßig mit der „Woche der Abfallvermeidung“ aufmerksam gemacht. Diese Informationskampagne findet europaweit in 30 Ländern statt, und zwar stets in der letzten Novemberwoche. In Deutschland sind hierzu mehrere hundert Aktionen geplant, Schirmherr ist der VKU.
Korrekt entsorgt werden Elektroaltgeräte übrigens auf kommunalen Wertstoffhöfen. Seit kurzem sind auch große Händler zur Annahme von Altgeräten verpflichtet, wenn sie Elektrogeräte verkaufen. Laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes wurde aber nur jedes zehnte Gerät, das legal entsorgt wurde, zum Händler gebracht. Viele Verbraucher seien über diese Rückgabemöglichkeit noch nicht ausreichend informiert, glaubt das Umweltbundesamt. Und auch die Händler selbst setzen die neuen Vorgaben oft nur widerwillig um. So würden die Kunden nicht, wie vorgeschrieben, ausreichend auf die Annahmestellen hingewiesen, bemängelt Staatssekretär Pronold.
Dirk Bleicker
ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.