Studie Starkregen-Folgen in Hamburg

Ahrtal-Katastrophe ist überall möglich

Susanne Dohrn 02. August 2022
Ein Tiefdruckgebiet, ausgiebige Niederschläge plus Starkregen – im Ahrtal führte das zu einer Katastrophe. Könnte so etwas auch in Hamburg passieren? Die Stadt hat die Möglichkeit untersuchen lassen.

In Hamburg hat keine Berge. Es gibt keine tief eingeschnittenen Täler. Die Stadt könnte sich sicher fühlen, wäre da nicht eine gerade veröffentlichte Untersuchung des Landesbetriebes Straßen, Brücken und Gewässer. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass ein Regenereignis wie im Ahrtal vor einem Jahr grundsätzlich überall in Deutschland möglich ist, also auch in Hamburg, und dass die Auswirkungen für die Hansestadt „schwerwiegend“ sein könnten.

Die meisten Hochwasser in Hamburg entstehen als Folge von Sturmfluten im Herbst und Winter. Sie drücken das Wasser von der Nordsee in die Elbe. Dagegen schützt sich die Stadt mit Deichen und Flutmauern, unter anderem mit der Flutschutz-Promenade zwischen Baumwall und Landungsbrücken. Diese wurde von der Stararchitektin Zaha Hadid entworfen und ist zu einer der beliebtesten Flaniermeilen Hamburgs geworden.

60 Liter in einer Stunde

Die Folgen von Starkregen rücken erst nach ins nach ins Bewusstsein. Es beginnt mit einem Wetterbericht, wie dem vom Himmelfahrtstag 2018: „Von Westen nähert sich ein Tiefdruckausläufer. Das heißt in dieser Jahreszeit: Gewitter mit Sturmböen, Hagel und Starkregen.“ Dann folgt ein Unwetter, das in diesem Fall mit 60 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde über dem Stadtteil Nettelnburg niederging und für Land unter sorgte. Das Ergebnis gehörte wohl in die Kategorie Jahrhundertereignis, denn solche Regenmengen wurden dort noch nie gemessen. Experten nennen solche Hochwasserextreme HQ100, wenn dieses im Durchschnitt einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. HQ200 ist die Bezeichnung, wenn dies alle 200 Jahre geschieht.

Von der Geest in die Elbe

Hamburg liegt im norddeutschen Tiefland, am Rand der höher gelegenen Geest. Die Böden sind sandig. Von hier fließen mehrere kleine Flüsse durch die Stadt Richtung Elbe. Sie heißen Alster, Kollau oder Tarpenbek. Sie werden von einer Vielzahl kleinerer Gewässer gespeist wie Drosselbek, Brendenbek, Rodenbek oder Saselbek. Allein der Fluss Alster, den Hamburg-Besucher nur als malerische Außen- und Binnenalster kennen, hat ein mehrere hundert Quadratkilometer großes Einzugsgebiet, das bis nach Schleswig-Holstein hineinreicht.

Ereignisse mit Starkregen wie im Ahrtal sind grundsätzlich überall möglich, und sie werden aufgrund des Klimawandels vermutlich häufiger auftreten. Die Folgen für Hamburg fasst die Untersuchung so zusammen: „Die für das übertragene extreme Regenereignis Juli 2021 berechnete Dauer der Überschwemmung liegt in Hamburg bei zwei bis fünf Tagen. In Kombination mit den Wassermengen sind bei dieser Dauer eine Beeinträchtigung des Verkehrs und Schäden an der Infrastruktur nicht auszuschließen. In dicht besiedelten Gebieten würde die Dauer des Hochwasserereignisses die Rettungsdienste vor besondere Herausforderungen stellen und Evakuierungsmöglichkeiten erschweren.“ Mit mehreren hundert betroffenen Gebäuden sei zu rechnen.

Wassersensible Stadtentwicklung

Das Beispiel Hamburg zeigt: Das Thema Hochwasserschutz in der Stadt gehört auf die Agenda. Wie und wo gebaut wird, welche Flächen in kurzer Zeit viel Wasser aufnehmen können, wo es wieder versickern kann, rückt in den Fokus von Stadtplanern. Längst nicht alle Städte haben wie Hamburg eine Starkregenhinweiskarte oder einen Binnenhochwasser-Warndienst. Im Koalitionsvertrag 2020 zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen wurde zudem eine „wassersensible Stadtentwicklung“ beschlossen. Siedlungswasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Landschafts-, Verkehr- und Gewässerplanung arbeiten zusammen, um zukünftige Gefährdungen von Personen und überflutete Keller, Unterführungen, Tiefgaragen oder Bahnhöfe minimieren.

Studie der Hansestadt Hamburg

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