SPD Hessen

Albrecht Eitz: Ein roter Bürgermeister in einer CDU-Hochburg

Jonas Jordan22. November 2018
Mehr als ein Jahr dauerte der Wahlkampf für Albrecht Eitz. Er hat sich gelohnt.
Etwa 15.000 Einwohner hat die Gemeinde Freigericht im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Seit der Gründung in den 70er-Jahren war sie fest in CDU-Hand. Nun hat SPD-Kandidat Albrecht Eitz die Bürgermeisterwahl mit fast 60 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein Erfolgsrezept: zuhören.

Es war der 9. November 2017, als Abrecht Eitz einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten der SPD Freigericht gekürt wurde. In einer Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis vor den Toren Frankfurts, die als CDU-Hochburg gilt. Noch 2001 holte die Union dort bei der Kommunalwahl fast 60 Prozent der Stimmen. 

Ein Jahr lang im Wahlkampf

Eitz trat trotzdem an und führte einen langen, kräftezehrenden Wahlkampf. „Es ist die Hölle gewesen zum Schluss“, gesteht er ein. Seit 15. Mai war der 46-Jährige unterwegs. Mehr als 3.000 Hausbesuche hat er seitdem gemacht: „Ich war fast überall und habe nicht nur missioniert, sondern auch zugehört.“

Das zahlte sich aus. Während die SPD zeitgleich bei der Landtagswahl am 28. Oktober ein desaströses Ergebnis einfuhr, kam Eitz im ersten Wahlgang auf souveräne 43,4 Prozent. Der Vorsprung auf seinen parteilosen Mitbewerber für die Stichwahl war beträchtlich, während die CDU-Kandidatin auf gerade einmal 13,4 Prozent der Stimmen kam.

Start-Ziel-Sieg in der Stichwahl

Die Stichwahl ging am 11. November über die Bühne, also fast genau ein Jahr, nachdem Eitz zum Kandidaten gewählt worden war. Es war ein „ungefährdeter Start-Ziel-Sieg“, wie die Gelnhäuser Neue Zeitung schrieb. Eitz selbst beschreibt seinen Wahlkampf als sehr aufwändig, sagt aber auch: „Ich habe mir gedacht, ich will es wirklich. Ich zeige das den Leuten.“

Das wirkte auch innerparteilich. Die Freigerichter SPD war auf den Beinen. „Wir haben unseren Organisationsgrad massiv verbessert. Als man sah, es könnte erfolgreich sein, haben alle mitgeholfen, von den Jusos bis zu Über-70-Jährigen.“ Seiner eigenen Partei gibt Eitz in Sachen Erneuerung den Rat: „Geht hin und redet mit den Menschen. Sie haben ein Füllhorn von Einfällen.“

Im Biergarten im Gespräch

Um möglichst viel mit Menschen in Kontakt zu kommen, schaute sich Eitz ein Konzept beim südhessischen Bundestagsabgeordneten Jens Zimmernmann ab: den kleinsten Biergarten der Welt. Ein paar Bierzeltgarnituren, kostenlose Würstchen und Getränke. Da kamen jedes Mal mehr als 70 Personen zusammen und obendrein sammelte der SPD-Kandidat Spenden für lokale Organisationen wie die Feuerwehr.

Am ersten Januar 2019 beginnt die Amtszeit von Albrecht Eitz als Bürgermeister von Freigericht. Er hat viel vor und will offensiv mit seinen Ideen umgehen, in den Bereichen Mobilität, betreutes Wohnen und Glasfaserausbau für Verbesserungen sorgen. Zugleich beruhigt er alle Konservativen in der einstigen CDU-Hochburg: „Ich bin nicht mit einer roten Agenda unterwegs, sondern mit einer Freigericht-Agenda.“

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwaerts.de

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