Wirtschaftsförderung in den Kommunen

Wie sich Bremerhaven neu erfindet

Ulf Buschmann20. Mai 2019
Bremerhaven bei Nacht. Die Stadt ist von einem Ort, der einst vom Schiffbau, der Fischereiwirtschaft und der Schifffahrt geprägt war, zu einem diversifizierten Standort geworden.
Bremerhaven hat sich gewandelt. Von der Werft- und Fischereistadt ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Tourismus- und Wissenschaftsmagneten geworden. Großen Anteil daran hat die SPD-geführte Landesregierung.

Werften, eine große Brache gleich am Alten Hafen, das Columbus-Center, das Deutsche Schiffahrtsmuseum, der Zoo am Meer und ein leckeres Fischrestaurant – Kindheitserinnerungen an Bremerhaven. Damals, in den 1970er-Jahren, wirkte die Stadt unvollständig. Eine Brache, die nur als Parkplatz dient, passte nicht in den Horizont eines Jungen. Immerhin, da waren viele Schiffe und viele Menschen, die auf den Werften arbeiteten.

Traditionsschiffe und große Pötte

Jahrzehnte später hat sich vieles verändert. Bremerhaven ist vollständig, findet der inzwischen erwachsene Junge. Dort, wo einst die Brache war, stehen interessante Locations: das Klimahaus 53° Nord und das Mediterraneo. Etwas weiter in Richtung Kaiserhafen gleich hinterm Hansestadt Bremischen Amt lädt das Deutsche Auswandererhaus zum Besuch ein. Auch im Alten Hafen ist viel los. Von dort starten die Hafenrundfahrten, die Eigner stellen ihre Traditionsschiffe zur Schau. Und noch ein Stück weiter erstreckt sich eine noch ziemlich neue Marina für Sportboote. Mit Hotel und Boardinghaus, wohlgemerkt!

Dann noch schnell auf den Deich gehüpft. Dort bietet sich dem Besucher eine Atmosphäre irgendwo zwischen kleinen und großen Schiffen gucken und Fernweh. Denn hier fließt schon die Außenweser. Am Horizont ist das Containerterminal mit den großen Pötten zu sehen. Derweil schiebt sich hinter der Mole, die den Behördenhafen und die Mündung der Geeste markiert ein Lotsenversetzboot in den Strom. Kurze Zeit später legt auch der Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolph Meyer“ von seinem Liegeplatz ab.

Viel Platz für hochqualifizierte Jobs

Bei diesem phänomenalen Anblick mit Weit- und Meeresblick kann schnell aus dem Blickfeld geraten, dass in diesem Teil Bremerhavens nicht nur genusssüchtige Menschen unterwegs sind. Vielmehr bietet die Stadt an ihrer Wasserkante Platz für hochqualifizierte Jobs. Unübersehbar ist die Zentrale des Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung. Und hinter dem Auswandererhaus sind in den vergangenen knapp zehn Jahren Zentren für Existenzgründer entstanden. Sie heißen „Time Port 1, 2 und 3“.

Ortswechsel. Im Fischereihafen hinter der Schleuse zum Strom sind Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ansässig. Von dort kommen zum Beispiel die allseits beliebten Fischstäbchen. Aber auch in Sachen Windenergie wird dort geforscht. Nicht zu vergessen natürlich das „Schaufenster Fischereihafen“, das genauso ein Touristen-Hotspot ist, wie das Areal rund um den Alten und Neuen Hafen.

Durch intelligente Investitionen die Wende geschafft

Kurz: Bremerhaven hat sich zum Guten verändert. Und wenn Martin Günthner darüber spricht, tut er das zurecht mit Stolz. Das hat Gründe: Günthner ist nicht nur Bremerhavener und SPD-Spitzenkandidat seiner Stadt für die am 26. Mai anstehenden Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft. Günthner ist ebenso Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. In dieser Funktion hat er einiges vorzuweisen. Seine Stadt ist von einem Ort, der einst in erster Linie vom Schiffbau, der Fischereiwirtschaft und der Schifffahrt allgemein geprägten Stadt war, zu einem diversifizierten Standort geworden. Stolz sind die Bremerhavener unter anderem über die zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen mit mehr als 1.700 Beschäftigten.

„Die Bremerhavener sitzen unter ihrer eigenen Glaskuppel. Und wenn du sie anhebst, riecht‘s nach Fisch.“ Manch ein Zeitgenosse hatte noch zu Beginn der 2000er-Jahre noch derart unfreundliche Kommentare für Bremerhaven mit aktuell gut 113.000 Einwohnern übrig. Das macht heute kaum noch jemand. Kommune und das Land Bremen haben es mithilfe des Bundes und der EU durch intelligente Investitionen die Wende geschafft. Bremerhaven kann eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur vorweisen und hat ein zeitgemäßes Image zu verpassen.

Die Arbeitslosigkeit fast halbiert

Laut Statistischem Jahrbuch 2018 des Landes Bremen sind die meisten Menschen im Bereich Handel/Instandhaltung/Reparatur beschäftigt. Es folgen die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie das Gastgewerbe. Erst auf Rang vier steht das Verarbeitende Gewerbe. Dieser positive Strukturwandel schlägt sich auch in anderen Kennzahlen nieder. So ist die Arbeitslosenquote von ihrem Höchststand von 20,7 Prozent im Jahr 2005 auf 12,6 Prozent im Durchschnitt 2018 gepurzelt. Gleichzeitig ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von 41.726 anno 2005 auf 53.093 im vergangenen Jahr gestiegen.

Und noch etwas hat sich getan. Die „Seestadt“, wie sich Bremerhaven gerne nennt, hat die Zahl der Übernachtungen ordentlich steigern können. Schliefen in den hiesigen Betten im Jahr 2000 noch 172.844 Menschen, waren es im vergangenen Jahr 450.800. Auch dies ist der positive Effekt von Millionen-Investitionen, die die Kommune zu einem Großteil selbst gestemmt hat.

Die Schifffahrt ist immer noch wichtig

Die Schifffahrt spielt trotz allen Strukturwandels natürlich noch immer eine große Rolle in der Stadt. Wie Hamburg, Rostock-Warnemünde und Kiel profitiert Bremerhaven mit seinem Columbus Cruise Center vom nach wie vor anhaltenden Kreuzfahrt-Boom. Auch in diesem Bereich haben sich die Investitionen inzwischen längst bezahlt gemacht. Denn: Aus dem in den 1950er-Jahren gebauten Columbus-Terminal an dem unter anderem Elvis Presley als amerikanischer Soldat von Bord ging, ist nach dem Umbau im Jahr 2003 eines der modernsten Terminals weltweit geworden.

Und dann ist da natürlich noch der traditionelle Schiffbau. Ihn verkörpern die Lloyd Werft und die Bredo-Werft beziehungsweise German Dry Docks. Mit Bremerhaven werden zudem das Containerterminal sowie der Autoumschlag an einem der weltweit größten Terminals verbunden. Was jedoch kaum jemand weiß: Die Häfen gehören zur Stadtgemeinde Bremen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Artikel ist zuerst auf vorwaerts.de erschienen.

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