Kirche und Kommunen

Die Lehren aus dem Brand in Notre-Dame de Paris

Uwe Roth15. Dezember 2021
Die Lehren aus Notre-Dame haben zum Beispiel in Regensburg dazu geführt, dass die Feuerwehr ihr Einsatzcenter in den Hof der Bauhütte des Doms St. Peter verlegt.
Der Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame im April 2019 war eine Katastrophe, aus der Feuerwehren ihre Lehren gezogen haben. Wie in den Kommunen die historischen Gotteshäuser geschützt werden.
Der Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame im April 2019 war eine Katastrophe, aus der Feuerwehren ihre Lehren gezogen haben. In fast allen Kommunen stehen historische Gebäude, in denen Holz verbaut und das nach Jahrhunderten so trocken ist, dass wenige Funken einen Vollbrand auslösen können. Das Pariser Feuer, das sich mit großer Geschwindigkeit vom hölzernen Dachstuhl auf die Türme und das Kirchenschiff ausgebreitet hatte, gab Brandschutz-Verantwortlichen wichtige Hinweise, wie sie selbst solche Katastrophen besser verhindern können.
 
Die Lehren aus Notre-Dame haben zum Beispiel in Regensburg dazu geführt, dass die Feuerwehr ihr Einsatzcenter in den Hof der Bauhütte des Doms St. Peter verlegt. So kommen die Einsatzfahrzeuge schneller und näher an den Brandort.

Gut geschützt

Eine Sprecherin von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) stellt heute fest: „Der Dom ist als kulturhistorisch bedeutsames Bauwerk durch organisatorische und technische Maßnahmen gut geschützt.“ Mit einem vor Ort hinterlegten Schlüssel hat nach ihren Angaben die Feuerwehr jederzeit Zugang zu dem rund 750 Jahre alten Sakralbau. Ein Leitsystem stellt sicher, dass sich die Einsatzkräfte im Bauwerk überall zurechtfinden und sie abgelegene Stellen schnell erreichen. Schwachstelle ist auch hier die hölzerne Dachkonstruktion.
 
Über fest verbaute Leitungen kann Löschwasser bis in die Dachgalerie eingespeist werden. Feuerwehrschläuche und -strahlrohre lagern direkt vor Ort. Das spart wertvolle Zeit bis zum ersten Wasser marsch. Doch nicht nur Wasser muss bis ganz oben gelangen, sondern auch die Einsatzkräfte. So ist der Regensburger Dom Lehrort bei der Ausbildung für die Höhenretter der Berufsfeuerwehr. Größere Brandschutzübungen sollen nach der Pandemie wieder stattfinden.
 

Größte Herausforderung Personenschutz

 
Das Staatliche Bauamt Regensburg ist für den Zustand des Doms St. Peter verantwortlich. „Der Brandschutz wurde schon vor der Brandkatastrophe in Notre Dame auf breiter Basis betrachtet und bearbeitet“, versichert der zuständige Mitarbeiter Christian Brunner. Die größte Herausforderung ist für ihn der Personenschutz. Die meisten Unfälle und Todesfälle seien auf eine Rauchvergiftung zurückzuführen und nicht in erster Linie auf eine Verbrennung, sagt er.
 
So ist sein Augenmerk auf eine bestmögliche Evakuierung des Doms gerichtet, insbesondere bei Festgottesdiensten mit vielen Besucherinnen und Besuchern. Um Fluchtwege besser kenntlich zu machen, wird eine vorhandene Notbeleuchtung nachgerüstet und erweitert.
 

Nachbesserungen in München

Auch in der Münchner Frauenkirche gab es nach der Pariser Brandkatastrophe Nachbesserungen im Brandschutz. So trägt eine neu installierte Rauchansaug-Anlage dazu bei, dass ein Brand früher erkannt wird. Die Anlage ist ständig in Betrieb und prüft die angesaugte Luft. Registriert sie Qualm, löst sie Alarm aus, bevor ein Mensch diesen wahrnehmen kann. Ein Sprecher von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verweist auf den Denkmalschutz: „Hier muss immer ein Interessenausgleich gefunden werden, der Funktionalität, Dankmalschutz und tragfähigen Brandschutz in Einklang bringt“, stellt er fest. Es liege in der Natur der Sache, „dass historische Gebäude nicht den heutigen Normen und Anforderungen entsprechen können“.
 
In der bayerischen Landeshauptstadt werden alle Kirchen und die Einrichtungen anderer Glaubensgemeinschaften wie Synagogen oder Moscheen regelmäßig durch die Feuerbeschau begangen. Der Rhythmus beträgt laut Stadtverwaltung aktuell drei Jahre. Die Branddirektion stehe im ständigen Kontakt mit den Vertretern der einzelnen Glaubensgemeinschaften und berate bei Umbau und Sanierung. Zudem gibt die Feuerwehr Rat bei der Erstellung von Brandschutzkonzepten.

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