Beamtenbund

Dem Staat fehlt Personal

Carl-Friedrich Höck04. Januar 2018
Erzieher in einer Kölner Kita
Laut dbb fehlen dem Staat jetzt schon 130.000 Erzieherinnen und Erzieher. (Symbolbild)
Im öffentlichen Dienst fehlen 185.000 Beschäftigte, davon viele in den Kommunen. Das schätzen der Beamtenbund dbb und seine Mitgliedsgewerkschaften. Für den Personalmangel gibt es mehrere Gründe.

Gehen dem öffentlichen Dienst die Mitarbeiter aus? Der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach jedenfalls schlägt Alarm: „Insbesondere für Bildung und Erziehung fehlt dem Staat das Personal, aber etwa auch für Sicherheit und Gesundheit werden dringend Nachwuchs- und Fachkräfte gebraucht.“

Kommunen besonders betroffen

Insgesamt geht der dbb von 185.000 fehlenden Beschäftigten im öffentlichen Dienst aus. Besonders schwerwiegend sei das Problem in den Ländern und Kommunen, heißt es in einer am Mittwoch verbreiteten Pressemeldung. So würden 130.000 zusätzliche Erzieher benötigt und 32.000 Beschäftigte an Schulen. Personalmangel gebe es aber auch bei der Polizei und Justiz, bei den Feuerwehren, im Gesundheitsdienst, der allgemeinen Verwaltung sowie den Jobcentern. Der dbb ist eine Dachorganisation von Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes sowie des privaten Dienstleistungssektors.

Ulrich Silberbach
Ulrich Silberbach

Laut dbb-Chef Silberbach wird sich das Problem in den kommenden Jahren noch vergrößern. „Durch seit Jahren fehlende Neueinstellungen steigt der Altersdurchschnitt beim vorhandenen Personal immer weiter und alleine in den nächsten 15 Jahren werden circa 1,5 Millionen Kolleginnen und Kollegen altersbedingt ausscheiden“, prognostiziert er. Ziehe man hiervon die zu erwartenden Neueinstellungen ab, bleibe immer noch eine Lücke von mehreren hunderttausend Beschäftigten, die dem öffentlichen Dienst fehlen werden.

Kommunen konkurrieren mit der Privatwirtschaft

Dass der Personalmangel die Kommunen vor Probleme stellt, bestätigt der Bürgermeister von Eschweiler Rudi Bertram (SPD). „Das Thema beschäftigt mich jeden Tag“, sagt er. Bertram ist auch stellvertretender Vorsitzender des für Personal zuständigen Ausschusses des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Insbesondere im technischen Bereich sei es schwer, geeignetes Personal zu finden. Denn um Ingenieure, Planer oder Architekten buhlen auch privatwirtschaftliche Unternehmen, die dank guter Konjunktur viele besser bezahlte Jobs anbieten können. „Die guten Leute sind schon fast alle abgegriffen, wenn sie von der Hochschule kommen“, sagt Bertram.

Folgenreiche Privatisierungen

Ein weiteres Problem sieht der Eschweiler Bürgermeister in der Privatisierungswelle der 1990er Jahre. Viele Kommunen hätten ihre Betriebe privatisiert, wozu sei teils auch von den Aufsichtsbehörden gedrängt worden seien. „Unsere privaten Partner haben dann versucht, über Personalreduzierung Gewinne zu machen.“ Folglich seien jahrelang zu wenige neue Fachkräfte ausgebildet worden, und das räche sich jetzt.

Und nicht zuletzt haben neue Gesetze und Entwicklungen den Bedarf an Mitarbeitern erhöht. Zum Beispiel im Kita-Bereich: „Es gibt wesentlich mehr Geburten als vor ein paar Jahren“, sagt Bertram. Das neu eingeführte Recht auf einen Kita-Platz, bessere Betreuungsschlüssel und ein höheres Elterngeld trügen ebenfalls dazu bei, dass mehr Kinder in die Kita kommen und somit zusätzliche Erzieher benötigt würden.

Was gegen den Mangel helfen könnte

Inwiefern der Personalmangel in den kommenden Jahren noch weiter zunimmt, will Bertram nicht prognostizieren. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel.“ Die Erfahrung zeige aber, dass neue Entwicklungen wie das „papierlose Rathaus“ und E-Government nicht zwingend dazu führen, dass weniger Personal gebraucht werde.

Helfen könne, die eigenen Mitarbeiter konsequent weiter zu qualifizieren und ihnen somit einen Aufstieg in höhere Besoldungsgruppen zu ermöglichen, ist Bertram überzeugt. In Eschweiler setze man zudem auf den Nachwuchs: „Wir bilden über dem Bedarf aus.“ Trotzdem habe die Stadt bisher alle Auszubildenden übernehmen können. Denn spätestens, wenn junge Mitarbeiter ihre Familienplanung angehen und die ersten Kinder geboren werden, wollen viele Beschäftigte nur noch in Teilzeit arbeiten. „Da ist es besser, den einen oder anderen mehr auszubilden, um somit qualifiziertes Personal einsetzen zu können“, glaubt der Bürgermeister.

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