Umweltschutz

Die Stadtluft wird sauberer

DEMO- Redaktion09. Juni 2020
Zu einem weiteren Rückgang der NO2-Belastung wird auch die Corona-Pandemie beitragen,
Die Zahl der Städte, deren Werte über dem NO2-Grenzwert liegen, hat sich im Jahr 2019 halbiert. Das Umweltbundesamt hat jetzt die Daten für das Jahr 2019 vorgelegt.

Im vergangenen Jahr haben die NO2-Konzentrationen nur noch in 25 Städten den Luftqualitätsgrenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresmittel überschritten. Im Vorjahr waren es noch 57 Städte. Dies teilten das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesumweltministerium am Dienstag gemeinsam mit. Auch erste Daten für das laufende Jahr 2020 wurden schon vorgelegt und zeigen jetzt, dass die Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie an manchen Orten einen weiteren Rückgang der NO2-Belastungen um bis zu 40 Prozent bewirkt haben, wie es hieß.

Bundesumweltministerin Schulze fordert Mobilitätswende

Bundesumweltministerin Svenja Schulze lobte die Entwicklung: „Die Luft in deutschen Städten wird sauberer, die Entwicklung der Luftqualität weist bundesweit in die richtige Richtung. Das zeigt: Umweltpolitik wirkt. Dennoch reichen die bisherigen Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen noch nicht aus, um den EU-Grenzwert für NO2 zum Schutz der menschlichen Gesundheit wirklich überall einzuhalten. Die Lösung liegt in saubereren Fahrzeugen und einer grundlegenden Mobilitätswende.“

Hauptquelle der Stickstoffoxide in den Städten ist laut UBA der Straßenverkehr und hier vor allem Diesel-Pkw. An 20 Prozent aller verkehrsnahen Messstationen überschritten die NO2-Konzentrationen im Jahr 2019 den Grenzwert von 40 µg/m³ im Jahresmittel. Im Jahr 2018 waren es mit 42 Prozent noch mehr als doppelt so viele Messstationen. Der zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegte Grenzwert hätte seit dem Jahr 2010 bereits eingehalten werden müssen.

UBA-Chef Messner rechnet für 2020 mit weiteren Rückgängen

Insgesamt setzt sich der Rückgang der NO2-Belastung in den Städten deutlich fort, zeigen die Zahlen. Im Mittel hätten die NO2-Werte (Jahresmittelwerte) an verkehrsnahen Messstationen rund vier Mikrogramm pro Kubikmeter unter denen des Jahres 2018 gelegen. An einzelnen Messstationen sind unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten, die das UBA insbesondere „lokalen Maßnahmen wie zum Beispiel Tempolimits, Fahrverboten oder dem Einsatz schadstoffärmerer Busse zuschreibt. Auf die Ergebnisse ausgewirkt hätten sich auch bundesweite Maßnahmen wie Softwareupdates, Förderungen im Rahmen des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017–2020“ sowie die Erneuerung der Fahrzeugflotte mit Fahrzeugen, die auch im realen Betrieb niedrige Stickstoffoxidemissionen aufweisen. Zudem verweist das Amt auf meteorologische Einflüsse, die die Ausbreitung von Luftschadstoffen beeinflussen.

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), gab sich angesichts dieser Zahlen optimistisch: „Wenn die zuvor genannten Maßnahmen weiterhin Bestand haben, ist auch für das Jahr 2020 ein weiterer Rückgang der NO2-Belastung zu erwarten und abzusehen, dass die Anzahl der von Grenzwertüberschreitungen betroffenen Städte weiter abnehmen wird.“

Zu einem weiteren Rückgang der NO2-Belastung wird auch die Corona-Pandemie beitragen, folgert das UBA aus den neuen Zahlen für 2020. Im Zeitraum der bundesweiten Corona-Beschränkungen wurden demnach NO2-Konzentrationen um minus 15 bis minus 40 Prozent beobachtet. Indes stehe noch nicht fest, „wie sich diese Reduktion auf die Einhaltung des NO2-Jahresmittelgrenzwertes für 2020 auswirken wird“. Die Minderung der Stickstoffemissionen durch 30 bis 50 Prozent weniger Straßenverkehr in den Städten im Zuge der umfassenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Bewältigung der Corona-Pandemie habe nur einen kurzfristigen Effekt von rund vier Wochen gehabt.

Dennoch betont Messner, dass weniger Verkehr zu besserer Luft und auch weniger Lärm führt und sich damit die Lebensqualität in unseren Städten erhöht – „Das hat uns die Corona-Krise vor Augen geführt.“ Diese positive Erkenntnis sollte die Gesellschaft unbedingt als Anlass für eine langfristige Verkehrswende aus dieser Krise mitnehmen.

weiterführender Artikel

Kommentar hinzufügen