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Büttelborns Bürgermeister Merkel hat jetzt einen digitalen Zwilling

30. Januar 2026 09:35:35

Marcus Merkel ist Deutschlands erster Bürgermeister, der einen KI-Video-Avatar hat. Auf der Website der Gemeinde Büttelborn beantwortet Merkels digitaler Zwilling Fragen der Bevölkerung in 28 Sprachen. Im DEMO-Interview erklärt er, welchen Mehrwehrt das bringt.

Marcus Merkels Avatar steht vor einer Kamera

Szene aus einem Video, mit dem Marcus Merkel – beziehungsweise sein KI-generierter Avatar – das neue Informationsangebot vorstellt.

Das Interview führte die DEMO mit Büttelborns Bürgermeister Marcus Merkel und mit Stefan Klink, Medienexperte und KI-Berater.

DEMO: Guten Tag, Herr Merkel. Wie geht es Ihnen heute?

Marcus Merkel: Fragen Sie jetzt den digitalen Zwilling oder den Herrn Merkel persönlich?

Jetzt frage ich Sie persönlich ... 

Merkel: Also mir geht sehr gut! Danke der Nachfrage.

Und was würde jetzt Ihr digitaler Zwilling auf diese Frage antworten?

Merkel: Das kann er nicht beantworten. Er wird nicht zu seinem persönlichen Befinden Antworten geben.

„Es ist ein riesiger Mehrwert, dass wir rund um die Uhr erreichbar sind.” (Marcus Merkel)

Die neue KI der Gemeinde spricht 28 Sprachen und ist 24/7 im Dienst. Schafft der Bürgermeister von Büttelborn sich jetzt ab?

Merkel: (lacht) Nein, das kann er leider nicht! Aber es ist natürlich ein riesiger Mehrwert, dass wir rund um die Uhr erreichbar sind, keiner mehr in der an der Warteschleife am Telefon hängen muss beziehungsweise auf E-Mail-Antworten warten muss. Das ist ein sehr großer Vorteil für die Gemeinde Büttelborn mit rund 15.000 Bürgerinnen und Bürgern.

Spricht der Avatar auch mit ihrer Stimme oder sieht er nur so aus wie Sie?

Merkel: Nein, er spricht auch mit meiner Stimme. Bis auf meinen hessischen Slang hat er vieles adaptiert. Was Gestik, Mimik, Lippenbewegungen anbelangt – das bin ich, quasi.

Herr Klink, Sie sind der Ideengeber für den KI-Bürgermeister. Wie kam es dazu?

Stefan Klink: Ich hatte im vergangenen Frühjahr die Idee, einen interaktiven Avatar zu erstellen und für Kommunen umzusetzen. Ich kenne Marcus und habe ihn gefragt, ob er dieses Pilotprojekt für einen Bürgerguide als Bürgermeister begleiten möchte. Es geht darum, dass immer wiederkehrende Fragen von verschiedenen Bürgern vorab schon mal von der KI beantwortet werden. Das soll den Bürgermeister oder Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern entlasten.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Klink: Wir erfassen weder persönliche Daten mit dem Avatar, noch gibt der Bot Auskünfte zu personenbezogenen Daten aus der der Verwaltung. Der Avatar hat keine Anbindung an kommunale Server oder Datenbanken. Eine eigene Datenbank wird mit Wissen von der Webseite und von den Mitarbeitern gefüttert.

„Es ist ein Pilotprojekt, wir arbeiten ständig an der Qualitätsverbesserung.” (Stefan Klink)

Was sind zum Beispiel solche wiederkehrenden Fragen?

Klink: Zum Beispiel: Was muss ich mitbringen, wenn ich hier einen Reisepass beantragen will oder einen Ausweis brauche? Es kommen Fragen nach der Hundesteuer, nach der nächsten Leerung der Mülltonne, der Kindergartenanmeldung. Und das geht eben jetzt mehrsprachig. Am Anfang wussten wir noch nicht, welches die meistgestellten Fragen sind. Wir haben Rückmeldungen von den Mitarbeitern gesammelt und überlegt, was wir von der Webseite in die Datenbank eingeben.

Musste nachgebessert werden?

Klink: Wir sind nach 6 Wochen Vorlauf kurz vor Weihnachten online gegangen. Es ist ein Pilotprojekt, wir arbeiten natürlich ständig an der  Qualitätsverbesserung. Jetzt in der Winterzeit gab es oft die Frage: Wie muss der Winterdienst wann erledigt sein? Wann muss die Straße geräumt sein? Darf ich Salz streuen? Auch zur Kommunalwahl, die jetzt im März hier in Hessen stattfindet, häufen sich Fragen.

Herr Merkel, andere Kommunen haben auch schon KI-Chatbots, aber keinen personalisierten. Was hat Sie vom Konzept überzeugt? 

Merkel: Ich fand es ganz klasse, dass wir das Pilotprojekt als erstes Rathaus in Deutschland testen dürfen. Ich habe es allerdings nicht verifiziert, ob ich wirklich der Erste in ganz Deutschland bin.

Und wie sind die Rückmeldungen der Bürger zu dem Service?

Merkel: Mir gegenüber durchweg positiv. Ich hatte jetzt aus dem Gemeindevorstand von einem älteren Vorstandsmitglied gehört, dass manche ein bisschen skeptisch sind, weil sie doch ganz gern mit der realen Person interagieren. Aber die jüngere Generation oder auch Bürgermeisterkollegen oder eine Bürgermeisterkollegin sind sehr daran interessiert und würden das gern adaptieren für ihre Rathäuser.

Ich habe den Bürgerguide nach einem guten Tipp für Touristen für ein langes Wochenende in Büttelborn gefragt.  Er hat mir empfohlen, den Naturpfad zu erkunden, der durch Bruchwiesen, Forst und Moor führt. Was ist Ihr Tipp? 

Merkel: Die Bruchwiesen in Büttelborn sind ein schöner Ausflugspunkt. Wir haben die größte Storchenpopulation in ganz Hessen, mittlerweile sogar in ganz Deutschland mit über 300 Brutpaaren. Auf Anregung des NABU Hessen war sogar Prinzessin Takamado aus der japanischen Königsfamilie vor kurzem bei uns zu Gast und hat Storchenpaare beobachtet …

… den königlichen Besuch hat ihr KI-Zwilling nicht erwähnt. Haben Sie sich schon an ihr Spiegelbild im Chat gewöhnt? 

Merkel: Ja, so ein bisschen schon. Es ist schon genial, dass ich jetzt 28 Sprachen fließend beherrsche, was natürlich im realen Leben nicht so ist. Andererseits ist es auch ein Stück weit erschreckend. Es ist schon verrückt, was die KI mittlerweile alles kann.

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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