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Open Librarys: Wie Bibliotheken auch ohne Personal offenbleiben können

22. April 2026 15:03:22

Eine Bibliothek, die man spätabends oder am Wochenende besuchen kann, wenn kein Personal mehr da ist: Das gibt es neuerdings auch in Schwerin. Das Konzept heißt Open Librarys. Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, wie gut es funktioniert.

Bücherregale und Schreibtische

Die Bücherhalle im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel verfügt über ein FlexiBib-Angebot.

Nun auch in Mecklenburg-Vorpommern: Seit dem 2. März 2026 ist die Stadtbibliothek der Landeshauptstadt Schwerin eine Open Library. Das bedeutet: Registrierte Nutzer*innen können die Bücherei in den Schweriner Höfen außerhalb der regulären Öffnungszeiten selbständig betreten und Medien ausleihen. Sogar dann, wenn kein Bibliothekspersonal mehr anwesend ist. In dem nordöstlichen Bundesland ist es die erste Bibliothek, die diesen Weg geht. In anderen Teilen Deutschlands gibt es bereits einige Vorbilder.

Open Librarys kamen über Skandinavien nach Deutschland

Die weltweit erste Selbstbedienungsbibliothek öffnete im Jahr 2002 in Singapur, wie das Bibliotheksportal informiert. In Europa gelten Dänemark und Schweden als Vorreiter für das Konzept. Die erste deutsche Open Library entstand 2014 in Hamburg. Dort werden mittlerweile zahlreiche Stadtteilbibliotheken als FlexiBib betrieben, wie das Konzept in der Hansestadt genannt wird. Insgesamt gibt es im deutschsprachigen Raum (Stand 2024) rund 50 Stadtteilbibliothekssysteme mit jeweils einer oder mehrere Open Librarys, ist auf dem Bibliotheksportal zu erfahren, einer Website des Deutschen Bibliotheksverbandes.

In Schwerin können nun alle Personen ab 16 Jahren das neue Angebot nutzen, sofern sie sich dafür registriert haben. Kinder und Jugendliche dürfen die Open Library in Begleitung eines oder einer registrierten Erwachsenen betreten. Wer zum Beispiel an einem Montag die Stadtbibliothek aufsuchen möchte, kann das jetzt bis 21 Uhr abends tun. Zuvor war das nur bis 18 Uhr möglich. Samstags war für die Besucher*innen bisher schon 13 Uhr Schluss. Nun können sie bis 17 Uhr Bücher und Filme ausleihen oder Zeitschriften lesen.

Bücher werden am Automaten abgegeben

Ein Automat ermöglicht es den Besucher*innen, während der personalfreien erweiterten Öffnungszeiten Medien auszuleihen oder zurückzugeben. Sie dürfen außerdem den Internetzugang nutzen oder die Bibliothek einfach als Ort nutzen, um zu lesen, sich zu treffen und auszutauschen. Es werden jedoch keine Auskünfte erteilt und man kann auch nichts aus der „Bibliothek der Dinge“ ausleihen – das betrifft zum Beispiel Spielkonsolen oder Beamer.

Schwerins Kulturbeigeordneter Silvio Horn (Unabhängige Bürger) sieht in dem neuen Angebot einen Weg, um die Bücherei zukunftsfähig zu machen. „So schaffen wir mehr Flexibilität und machen die Bibliothek für unsere Bürgerinnen und Bürger noch zugänglicher und moderner“, zitiert ihn eine Mitteilung der Stadt.

Videoüberwachung sorgt für Sicherheit

Die erweiterten Öffnungszeiten will Schwerin jetzt zunächst für mehrere Monaten testen und dann die Erfahrungen auswerten. Hamburg ist da schon wesentlich weiter. Auf den ersten Testlauf im Stadtteil Finkenwerder 2014 folgten zahlreiche weitere Standorte, mittlerweile betreiben die Bücherhallen Hamburg 25 FlexiBibs.

Der Anteil der Gäste, die FlexiBib-Zeiten nutzen, liegt bei 25 Prozent. Das teilen die Bücherhallen mit. Die Standorte werden videoüberwacht. „Diebstähle konnten bisher nicht festgestellt werden“, berichten die Bücherhallen auf DEMO-Nachfrage. Es komme auch nicht vermehrt zu Vandalismus. Lediglich die Müll-Hinterlassenschaften stellten vereinzelt ein Problem für die Reinigungskräfte dar.

Keine 24/7-Bibliothek

Manch einer wird sich nun fragen, warum die Hamburger Bücherhallen ihre FlexiBibs nicht gleich rund um die Uhr öffnen. Dazu antwortet die Kommunikationsabteilung: In Wohngebieten müsse jede Form von Lärmemission ab 22 Uhr abgestellt sein. Auch eine dauerhaft eingeschaltete Beleuchtung werde nachts als störend empfunden. „Hier geht es auch um Rücksichtnahme.“ In Einkaufszentren wiederum seien die Bücherhallen an deren Öffnungszeiten gebunden.

Damit Bibliotheken zur Open Library werden können, müssen sie die notwendige Technik anschaffen. Neben Kameras und Servern für die Videoüberwachung gehören dazu eine digitale Zutrittskontrolle, spezielle Software und eine zentrale Systemsteuerung, etwa für Türen, Licht und Alarmanlage. Tipps für die Umsetzung einer Open Library sind auf dem Bibliotheksportal zusammengefasst.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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