Thomas Burger im Wahlkampf-Endspurt in Regensburg
Kurz vor der Kommunalwahl am 8. März in Bayern biegt der Wahlkampf in die entscheidende Phase ein. In Regensburg bewirbt sich der langjährige SPD-Kommunalpolitiker Thomas Burger um das Amt des Oberbürgermeisters – mit dem Anspruch, Verwaltungserfahrung, Industriekompetenz und soziales Profil zusammenzuführen.
Hans-Christian Wagner
Oberbürgermeisterkandidat Thomas Burger auf Wahlkampftour in Regensburg, hier bekommt er Rückenwind von SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil.
Wenige Tage vor den Kommunalwahlen am 8. März in Bayern müssen die Kandidierenden nun den Endspurt hinlegen. „Die Termine der großen Podiumsdiskussionen sind vorbei. Mir ist immer sehr wichtig, einfach in Kontakt mit den Menschen draußen zu gehen“, sagt Thomas Burger. Der 55-jährige Kandidat für den Oberbürgermeisterposten in Regensburg will in den kommenden Tagen Haustürbesuche machen, an Infoständen mit den Menschen sprechen oder noch Veranstaltungen von Vereinen besuchen. In der Endphase der Wahlkampfwochen will er rausgehen, nicht nur um für sich zu werben, sondern um zu erklären, was auf den Flyern und Plakaten steht und um „zu hören, was die Bedürfnisse der Menschen sind“.
Thomas Burger ist engagiert und erfahren
Der gebürtige Regensburger und promovierte Physiker ist ein Urgestein im Regensburger Stadtrat. Seit 2002 macht er dort Politik, seit 2020 führt er die SPD-Fraktion an. Seit seiner Jugend war und ist Burger ehrenamtlich breit engagiert: Ministrant, Sportverein, Feuerwehr. Über 20 Jahre war er Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Graß und zwölf Jahre ihr stellvertretender Kommandant. Heute ist er Präsident bei der SG Post/Süd, einem der größten Breitensportvereine Regensburgs, außerdem stellvertretender Vorsitzender des AWO-Bezirksverbands. „Ich habe es immer genossen, mit anderen etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Burger.
Anfang der 90er Jahre trat er in die SPD ein. In die Kommunalpolitik habe ihn geführt, dass er damals viel in den Vereinen unterwegs gewesen und von der SPD gefragt worden sei, ob er auf die Liste gehen wolle. „Ich bin auf Anhieb gewählt worden und nun seit 24 Jahren dabei, zuletzt auch als einer der Stellvertreter der Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.”
Gertrud Maltz-Schwarzfischer tritt nicht mehr an
Die amtierende Oberbürgermeisterin ist seit dem Jahr 2014 Stadtchefin in Regensburg und hat sich dazu entschlossen, nicht mehr anzutreten. Die Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit setzte sie in der Sozial-, Frauen- und Integrationspolitik, aber auch bei der Stadtplanung, sowie in der Kultur, der Umwelt- und der Schulpolitik. Es seien „private und persönliche Gründe“, die sie dazu bewogen hätten. Sie könne nicht garantieren, dass sie weitere sechs Jahre die volle Energie für das Amt habe, sagte die mittlerweile 66-Jährige vor knapp einem Jahr.
Damit begann die Suche nach einem geeigneten Kandidaten. Mit der Unterstützung der Oberbürgermeisterin im Rücken wählte die Regensburger SPD Thomas Burger zum OB-Kandidaten – er setzte sich in der parteiinternen Abstimmung gegen den Wettbewerber Thomas Rudner durch.
Burger ist fasziniert von der „Welt der Industrie“
Er entschied sich für das Physikstudium, weil ihn eigentlich „sehr viele Dinge“ interessieren und auch weil er gern den Ursachen auf den Grund geht und verstehen möchte, wie Gesamtsysteme funktionieren. Biophysik und Neuroinformatik waren seine Studienschwerpunkte. Beruflich hat er seine Karriere bei Siemens Automobiltechnik in der Softwareentwicklung begonnen, und ist dann „in die Welt der Industrie“ eingetaucht, wie er sagt. „Sie hat eine hohe Schlagzahl, ist sehr ergebnisorientiert, weil sie sehr davon abhängt, dass Teams gut funktionieren und dass irgendwann auch etwas Konkretes geliefert werden muss“.
Weitere Stationen waren Vitesco Technologies GmbH (ehemals Continental Automotive GmbH) und schließlich nun die Schaffler AG in Regensburg, immer wieder in verschiedenen Bereichen. Er hat mit sich Prozessen, Methoden, Tools und Digitalisierung ebenso auseinandersetzt wie mit Kunden- und Organisationsprojekten. Heute sind Technical Compliance, also die Einhaltung technischer Normen und Standards, und Sicherheitsfragen wie Cyber Security und IT-Sicherheit seine beruflichen Schwerpunkte.
Burger will Prozesse in Regensburg modernisieren
Die Faszination für viele unterschiedliche Themen bestimmt auch Burgers Blick auf Kommunalpolitik. „Regensburg ist bunt, es hat eine unheimlich vielfältige kulturelle, aber auch wissenschaftliche und wirtschaftliche Vielfalt“, betont Burger. Er kenne den großen Unterschied zwischen Verwaltung und Industrie. „Deshalb würde ich gern diese beiden Welten ein bisschen verbinden und das, was ich bislang mit hohem Einsatz in der Politik gemacht habe, eben zu meinem Hauptberuf machen.“
Seine Erfahrungen im Projektmanagement will Burger in der Verwaltung einbringen, indem er als OB mit seinem Team zentral bei wichtigen Aufgaben häufiger die Federführung übernimmt und – ähnlich wie im Projektmanagement – themenübergreifend steuert. Außerdem will er sich Abläufe und Prozesse genau anschauen: „Ich glaube, da muss man einiges modernisieren.“ Mit Blick auf die Vereine plant er, einen „Vereinslotsen“ zu installieren, der Vereine dabei berät, wohin sie sich in der Verwaltung mit ihren Anliegen wenden sollten.
Für mehr Bürgerfreundlichkeit schwebt ihm auch eine „Regensburg-App“ vor, wo wesentliche Informationen enthalten sein sollen, angefangen von Abholzeiten der Gelben Säcke über Verkehrssteuerung, freie Plätze in Parkhäusern bis hin zu Standorten von Trinkwasserbrunnen oder Toiletten. „Die App soll wirklich übersichtlich, pragmatisch und konzentriert auf die Dinge sein, die die Menschen interessieren.“
Der SPD-Kandidat betont das Soziale
Als Sozialdemokrat steckt für ihn „das Soziale in allen Themen“. Das fange beim Wohnen an. „Für mich ist nicht nur mehr Wohnraum, sondern mehr bezahlbarer Wohnraum wichtig.“ Zum Beispiel müsste das Regensburger Baulandmodell, wonach die Stadt bei größeren Baugebieten für den geförderten Wohnungsbau eine gewisse Quote vorschreibt, weiterentwickelt werden, weil es vom Freistaat Bayern oft nicht mehr genügend Fördermittel gebe.
Den kräftigen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs hat Burger ebenfalls auf der Agenda. „Es ist ein sozialdemokratisches Thema, dass wir einen ÖPNV für alle brauchen“, so Burger. Er trete darüber hinaus auch für mehr Verkehrsberuhigung ein, um den öffentlichen Raum zu entlasten vom motorisierten Individualverkehr. Durch mehr Grün, mehr Wasser, mehr Schatten und mehr Aufenthaltsqualität würde man auch auf die klimatischen Veränderungen reagieren und den Einzelhandel stärken, meint er.
Burger glaubt, dass sich die Sozialdemokratie auch dadurch auszeichnet, dass sie soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke als ideale Kombination empfindet und diese gleichzeitig mit einer nachhaltigen Entwicklung verbindet. „Diesen Dreiklang in in Einklang zu bringen, ist aus meiner Sicht ein Alleinstellungsmerkmal von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“, bekräftigt der Bewerber um den Posten an der Regensburger Rathausspitze.
Sicherheit sei nicht nur Aufgabe der Polizei
Ein wichtiges Anliegen ist für Burger auch das Thema Sicherheit. Er will es zur Chefsache machen. Es sei aber zu kurz gedacht, die Sicherheit immer nur als Aufgabe der Polizei zu sehen und mit hartem Durchgreifen gleichzusetzen. Er werde den von Gertrud Maltz-Schwarzfischer erfolgreich eingeführten „Round Table Sicherheit” am Bahnhof konsequent fortführen, heißt es auf seiner Kandidaten-Webseite.
Er sehe Sicherheit als Sozialdemokrat auch als soziales Thema. Drogenabhängige beispielsweise bräuchten Hilfe, „und da müssen wir mit Streetworkern und ähnlichen Maßnahmen noch stärker ran“. Burger ist zum Beispiel mit der Kirche in Kontakt, um einen Begegnungs- und Unterstützungsort zu schaffen. Damit helfe er auch den Menschen, deren Sicherheitsgefühl beeinträchtigt sei, wenn sie diesen unterstützungsbedürftigen Menschen begegneten. „Sicherheit bedeutet für mich, dass sich alle Menschen in unserer Stadt angstfrei bewegen können“, betont Burger.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.