Studie zu „Littering“

Müll auf der Straße: mehr Verpackungen, weniger Hundekot

Carl-Friedrich Höck25. April 2018
To-go-Becher als Müll auf der Wiese
Ein To-go-Becher als Müll auf der Wiese: Offenbar sind Einwegverpackungen im Stadtbild ein wachsendes Problem.
Sie werden auf die Straße geworfen oder im Park auf der Wiese zurückgelassen: To-go-Becher und andere Einwegverpackungen tragen zunehmend zur Vermüllung der Städte bei. Das geht aus einer neuen Studie des Verbandes kommunaler Unternehmen hervor.

„Littering“ – so nennen Forscher das Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfall im öffentlichen Raum. Warum tun Menschen das und was kann man dagegen tun? Dieser Frage gehen Psychologen der Berliner Humboldt-Universität seit vielen Jahren nach. Im Auftrag von Stadtreinigungsunternehmen haben sie seit 2005 eine ganze Reihe von Studien zur „Wahrnehmung von Sauberkeit und Littering im öffentlichen Raum“ erstellt. Die neuesten Erkenntnisse hat der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) an diesem Mittwoch vorgestellt.

Städte werden als sauberer wahrgenommen

Für die dreiteilige Projektstudie wurde zunächst ermittelt, wie sich die Verschmutzung der Städte zwischen 2005 und 2015 verändert hat. Dabei standen die Städte Frankfurt am Main und Berlin im Fokus der Forscher. Die Wissenschaftler führten Befragungen durch, werteten die Blickbewegungen von Probanden aus oder beobachteten des Verhalten von „Litterern“ und ertappten sie auf frischer Tat.

Beide Städte wurden von den Probanden 2015 insgesamt sauberer eingeschätzt als 2005. Die betreffenden Werte hätten sich um jeweils etwa zehn Prozent verbessert, berichtet Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung (BSR).

Müll mit größerem Volumen

Was auffällt: Galt im Jahr 2005 noch Hundekot als Ärgernis Nummer eins, stören sich die Bürger heute vor allem an weggeworfenen Einwegbechern und anderen Take-away-Verpackungen. Auch Zigarettenkippen spielen weiterhin eine große Rolle, erklärt Rebekka Gerlach, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der HU Berlin. Ihr Anteil am Gesamtmüll habe sich aber deutlich reduziert.

Lebensgewohnheiten hätten sich verändert, meint VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. Die Menschen lassen sich das Essen zum Mitnehmen einpacken, laut Bundesregierung werden jedes Jahr 2,8 Millionen To-go-Becher verbraucht werden. Für die Stadtreinigungen sind die Einwegverpackungen eine Herausforderung: „Es ist oft sehr voluminöses Material, das die Körbe schnell füllt“, sagt Tanja Wielgoß. Am Berliner Alexanderplatz würden die Müllkörbe schon bis zu drei Mal pro Tag geleert, als Reaktion habe die BSR bereits größere Abfallbehälter aufgestellt.

Faulheit und fehlende Mülltonnen: Was sind Gründe für Littering?

Die vollen Behälter wirken sich wiederum auf das Wegwerfverhalten der Bürger aus. Denn Müll landet nicht nur deshalb auf den Straßen und Plätzen, weil die Menschen zu bequem, faul oder schlecht erzogen sind (auch wenn die Forscher dies als häufige „personenbezogene Gründe“ anführen). Die Umgebung spielt ebenfalls eine Rolle. Noch 2008 bekamen die Forscher von Müllsündern häufig zu hören, der nächste Papierkorb sei zu weit weg gewesen. Einige Unternehmen reagierten, indem sie die Behälter auffälliger gestalteten oder zusätzliche aufstellten. Nun heißt es oft, die Papierkörbe seien zu voll gewesen und müssten häufiger geleert werden.

Gegenmaßnahmen können also etwas bewirken. Das haben die Forscher auch anhand eines Beispiels aus Köln belegt. Dort wurden auf Bürgersteigen grüne Fußabdrücke auf den Boden gemalt, deren Richtung zum nächsten Papierkorb weist. Eine Plakatkampagne begleitete diese Fußspuren-Aktion und machte zusätzlich auf das Thema Abfall aufmerksam. Die Forscher beobachteten daraufhin einen signifikanten „Rückgang wahrgenommener Sauberkeitsmängel”.

„Sammeln, Sinne schärfen, sanktionieren”

Jede Kommune müsse ihren eigenen Weg finden, um das Thema Vermüllung anzugehen, meint VKU-Hauptgeschäftsführerin Reiche. Ihr Verband fahre eine Dreifachstrategie: „Sammeln, Sinne schärfen, sanktionieren“. Die Reinigungsunternehmen sammeln Müll also nicht nur ein – in Hamburg wurden hierfür zuletzt 400 neue Mitarbeiter eingestellt –, sondern sie setzen auf Bewusstseinsbildung, zum Beispiel mit Projekten in Kitas und Schulen. Auch öffentlichkeitswirksame Kampagnen wie „Let´s Clean Up Europe“ sind Teil dieser Strategie.

Und wenn das nicht greift, seien Bußgelder die „Ultima Ratio“, sagt Reiche. In Stuttgart und Ulm etwa setze man bereits verstärkt darauf, Müllsünder zu bestrafen. BSR-Vorstand Wielgoß merkt an: damit das auch funktioniert, „brauchen wir eine stärkere Rolle der Ordnungsämter.“ Sie sehe „die Politik in der Verantwortung, dass wir das nicht als Kavaliersdelikt ansehen.“

 

Die Studie ist als PDF auf der Internetseite des VKU veröffentlicht.

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