Social Media und Kommunalpolitik

Never feed the trolls!

Stefan Schmitz12. Juni 2017
Stefan Schmitz
Stefan Schmitz ist Referent bei der SGK NRW.
Wer als Kommunalpolitiker Soziale Netzwerke nutzt, kennt das Phänomen: In den Kommentarspalten tummeln sich sogenannte Trolle und buhlen mit Provokationen um Aufmerksamkeit. Wie soll man damit umgehen? Stefan Schmitz gibt Tipps.

Hört man von einem Troll, so denkt man oft an übernatürliche Fabelwesen oder an diverse böse Wesen aus Bestsellern wie Herr der Ringe, Harry Potter oder auch Verfilmungen bekannter Märchen. Doch auch in der Netzkultur hat sich der Begriff „Troll“ breitgemacht. Er beschreibt Personen, die durch meist negative oder emotionale Reaktionen das virtuelle Gegenüber zu einer Reaktion zwingen wollen. Meist führen die Reaktionen auf die sogenannten „Trolle“ dann zu einer unsachlichen, weiter provozierenden und vor allem nicht zielführenden Diskussion. Hierbei zieht der Reagierende immer den Kürzeren, da Logik und Fairness im Umgang keine Rolle spielen, sondern die Motivation des Trolls, im Mittelpunkt der Kommunikation zu stehen und diese möglichst lange zu seinen Gunsten weiterzuführen.

Meckerfax 2.0

Dies führt gerade in der politischen Kommunikation sehr oft zu extrem negativen und nachteiligen Unterhaltungen bei Facebook, Twitter oder auch per E-Mail. Ein erhebliches Konfliktpotenzial, das es auch früher schon gab, mit den berühmten „Meckerbrief-Schreibern“ oder später „Meckerfax-Schreibern“. Neu ist also nur das Tempo, der Austausch in Echtzeit.

Was motiviert einen Troll zu seinen Provokationen? Häufig stehen Langeweile und die Suche nach Aufmerksamkeit im Mittelpunkt. Zu den Motiven gehören aber auch Rache – „Die böse Politik hat mich im Stich gelassen“ – und gezielte Schädigungsversuche an Personen, Gruppen und ganzen Netzwerken. Was sollen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, Abgeordnete, Kandidatinnen und Kandidaten und auch Verwaltungen also tun? Finger weg vom Neuland Internet? Finger weg vom bösen Web 2.0? Das wäre natürlich eine Möglichkeit, würde aber viele gute und wichtige Kommunikationswege zerstören.

Ruhe bewahren

Für die Reaktion auf Kommentare im Netz gilt das Sprichwort „Am besten eine Nacht drüber schlafen“, mit vielleicht etwas veränderter Dauer. Es muss keine Nacht sein, aber eine spontane, unbedachte Reaktion ist genau das, was unser Freund der Troll von uns haben möchte. Einen Ausbruch, Emotionen, Unsachlichkeit. Denn das kann dem Verfasser dann direkt wieder vorgeworfen werden – und die Diskussion nimmt den verheerenden Verlauf: „Sie sind doch doof“ – „Selber doof“ – „Wie reden Sie eigentlich hier, das ist unprofessionell“ – „Ich zeige Ihnen gleich was unprofessionell ist.“ Das sollte nicht das Ziel politischer Kommunikation im Netz sein und „gewinnen“ kann man gegen einen Troll nie, auch wenn der „gute Politiker“ in uns sicher ist, mit Argumenten überzeugen zu können.

Ruhe bewahren, sachlich reagieren, emotionale Reaktionen vermeiden und dem Gegenüber das Gefühl geben, dass man trotz der polemischen und unsachlichen Wortwahl verstanden hat, was er möchte. Wenn weitere Reaktionen erfolgen, spricht auch nichts dagegen, einfach nicht mehr zu antworten. Das steigert zwar die negative Motivation des Trolls, aber wer kein Futter bekommt, kann auch nicht mehr reagieren.

Löschen nur, wenn es wirklich problematisch wird

Natürlich können unerwünschte Posts etwa auf Facebook einfach gelöscht werden. Auch ganze Unterhaltungen können entfernt werden, wenn sie in die falsche Richtung laufen. Klar ist: Rassismus, Sexismus, Anfeindungen oder auch Beleidigungen gehören sofort gelöscht und bei den entsprechenden Netzwerken gemeldet. Diskussionen, die sachlich sind, aber vielleicht aus Autorensicht in die falsche Richtung laufen, sollten nicht abgewürgt werden, denn sie zeigen, dass selbst ein sogenannter „Politiker“ auch andere Meinungen zulässt, Stellung bezieht und ein Mensch ist.

Ein bisschen Mut und Zeit sind die wichtigsten Faktoren für eine gute Arbeit in den sozialen Netzwerken. Ruhe bewahren und besonnen reagieren sind die wichtigsten Verhaltensweisen. Ein wichtiger Hinweis noch an alle, die sich in die „Social-Media-Welt“ aufmachen wollen: Nur wer sich selbst dort wohl fühlt, überzeugt ist und bereit ist, die entsprechende Zeit in die Kommunikation zu investieren, wird mittel- und langfristig einen großen Nutzen aus diesem Kanal ziehen können.

Dieser Text ist zuerst in „Die Kommunale“ der SGK NRW erschienen und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors sowie der SGK NRW hier veröffentlicht.

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