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Der Verkehr der Zukunft

Helmut Dedy16. Mai 2018
Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags.
Anforderungen an eine nachhaltige Verkehrspolitik

Die Sorge vor Fahrverboten, Gerichtsurteile zu Stickoxidbelastungen, Debatten um den Diesel-Fonds – drei Themen, die keine Freude machen, aber politisch bedeutsam sind. Andere klingen besser, etwa die große Aufmerksamkeit für alternative Antriebe, Elektromobilität und Wasserstofftechnologie oder die zukünftige Rolle des Fahrrads in der Stadt. Alle genannten Themen aber sind deutliche Belege, wie umfassend das Thema Verkehr der Zukunft inzwischen in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit geraten ist.

Handlungsdruck steigt

Damit steigt der unmittelbare Handlungsdruck auf die Politik, etwa wenn es darum geht, Fahrverbote in den Städten durch gezielte Maßnahmen möglichst zu vermeiden oder die Autoindustrie doch noch zu Nachbesserungen zu bewegen. Darüber hinaus greift aber auch die Erkenntnis, dass Perspektiven für den Verkehr der nächsten Jahrzehnte und die dafür nötige Infrastruktur entwickelt werden müssen. Es geht um die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft der Mobilität. Dafür sollten Bund und Länder am besten gemeinsam mit den Kommunen an Lösungen arbeiten und die nötigen Entscheidungen treffen. Auf kommunaler Ebene weisen bereits vielfältige Aktivitäten in diese Richtung.

Eine Prämisse der Städte ist dabei schon jetzt klar. Auch in Zukunft muss es eine leistungsfähige Mobilität für alle Menschen geben, gleichzeitig müssen wir den Verkehr umweltverträglicher organisieren. Die Städte wollen und brauchen einen Verkehrsmix, der den Menschen und der Wirtschaft nutzt und der gleichzeitig klimaschonender ist. Das heißt, wir müssen die Mobilität von Personen und Gütern mit der Umwelt- und Lebensqualität in den Städten in Einklang bringen. Auf dem Weg dorthin entwickeln viele Städte schon heute neue Verkehrskonzepte. Sie fördern im Rahmen ihrer Möglichkeiten neue Ideen und unterstützen saubere Technologien. Dazu gehört auch die Umrüstung der Fuhrparks in vielen Kommunen und beim Öffentlichen Nahverkehr.

Wandel zu nachhaltiger Mobilität

Eine Verkehrsinfrastruktur der Zukunft braucht bedarfsgerechte Lösungen. Dazu gehören vernetzte ÖPNV-Angebote, zum Beispiel durch moderne Systeme, die sich mit Hilfe digitaler Lösungen am individuellen Bedarf der Fahrgäste orientieren. Statt konventionell auf festen Routen und zu festgelegten Zeiten zu fahren, egal ob da jemand an der Haltestelle steht oder nicht, organisieren moderne Software und Apps auf Smartphones die Routen zu den nachgefragten Ziel­orten. Dazu gehören sicher auch attraktive Angebote von Mieträdern und Carsharing, außerdem Fahrradpark­häuser und sichere Abstellmöglichkeiten für eigene Fahrräder. Ungelöst ist die Frage der Einrichtung von Ladesäulen in Wohnquartieren. Schließlich brauchen wir deutlich kürzere Wege zwischen Wohnen, Einkaufen, Freizeit und Arbeit.

Sicher wird auch weiterhin über das Auto zu reden sein. Auch Autos mit alternativen Antrieben sind ein wichtiger Schritt zu mehr Umweltfreundlichkeit und weniger Schadstoffen. Sie sind allerdings nur einer von vielen notwendigen Beiträgen. Denn ein PKW, der mit Elektromotor über städtische Straßen fährt, stößt zwar weniger Schadstoffe aus und ist leiser. Doch er braucht ebenso viel Parkraum, wie ein Benziner oder Diesel-PKW. Elektroautos helfen deshalb nicht, wenn es darum geht, den notorisch knappen öffentlichen Raum in den Städten sinnvoller zu nutzen, die Stadt von morgen darf kein Parkplatz sein. Entscheidender für einen Wandel zu nachhaltiger Mobilität sind deshalb sogenannte multimodale Lösungen, die kluge Verzahnung von mehr Umweltverbund, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr.

Städte verlangen schlüssiges Gesamtkonzept des Bundes

Hinsichtlich der aktuell von Diesel-PKW verursachten Stickoxid-Belastung verlangen die Städte ein schlüssiges Gesamtkonzept des Bundes. Bislang hat die Bundesregierung die Gerichte entscheiden lassen, anstatt das Thema selbst so umfassend zu behandeln, wie es notwendig gewesen wäre. So konnten sich die Autokonzerne ihrer Verantwortung entziehen, statt betroffene Diesel-Autos nachzurüsten. Das ist für die betroffenen Diesel-Besitzer ebenso unbefriedigend wie für die Städte.

Ungeachtet dessen bleibt die Forderung des Deutschen Städtetages nach einer blauen Plakette aktuell. Denn sollten sich Fahrverbote nicht mit gezielten Maßnahmen zur Stickoxidreduzierung vermeiden lassen, brauchen wir eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung. Nur so lässt sich von außen erkennen, ob ein PKW von ­einem schmutzigen oder einem saubereren Motor angetrieben wird und mit welcher Euro-Norm das Fahrzeug unterwegs ist.

Der Text erscheint im Report der neuen Printausgabe der DEMO 05/06 am 25. Mai und wird hier vorab veröffentlicht.

 

 

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