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Reger Austausch zwischen Dormagen und Chipata

27. November 2025 10:47:36

Die erste Städtepartnerschaft zwischen Deutschland und Sambia trägt Früchte bei Klimaschutz und Digitalisierung. Die Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen ist eng mit der Stadt Chipata verbunden.

Menschen halten Urkunden hoch

Gründungstreffen: Bürgermeister George Mwanza und Erik Lierenfeld (beide m.), Lieselotte Heinz (l.)

An den Hügeln um Chipata in Sambia grünen heute wieder junge Laub- und Obstbäume, wo zuvor kahl gerodete Flächen lagen. Die Hauptstadt der Ostprovinz Sambias mit rund 410.000 Einwohnern im ­Distrikt ist massiv vom Verlust ihrer Wälder durch Abholzung bedroht. Viele der dort lebenden Familien nutzen Holz als Energiequelle. Dass 10.000 Baumsetzlinge auf dem Gebiet der Grenzstadt nahe ­Malawi angepflanzt werden konnten, ist ein Erfolg der Städtepartnerschaft Chipatas mit Dormagen. Sie existiert seit Oktober 2022 und ist die erste deutsch-sambische ­Städtepartnerschaft überhaupt.

Großes Aufforstungsprojekt

„Im August 2024 startete das Aufforstungsprojekt und wurde im Mai dieses Jahres abgeschlossen“, erklärt Lieselotte Heinz, Koordinatorin der Städtepartnerschaft. Es seien Gebiete in der Größe von 28 Fußballfeldern wieder aufgeforstet worden. Da das Anpflanzen allein nicht ausreiche, fanden begleitende Schulungen mit rund 300 Teilnehmenden statt. Sie lernten, wie man nachhaltig mit Wald umgehen kann, wie die Bäume geschützt und gleichzeitig genutzt werden können – zum Beispiel durch nachhaltige Imkerei. 

Außerdem erhielten 60 Haushalte ­effizientere Öfen, mit denen sich viel Feuerholz einsparen lässt.
Lieselotte Heinz erläutert, wie die Partnerschaft entstand: „In ihrer Nachhaltigkeitsstrategie hat die Stadt Dormagen festgelegt, dass die Kommune global Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen will.“ Eine Kooperation mit einer Stadt im Globalen Süden passte ideal zu diesem Leitbild – zumal es, wie sie betonte, bisher keine Kooperation mit einer afrikanischen Gemeinschaft gegeben hatte. Über eine Förderung des Bundesentwicklungsministeriums für eine Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik konnte die Städtepartnerschaft realisiert werden – „ein großes Glück für die Stadt“, sagt Heinz. Schließlich kam über einen Umweltaktivisten aus Sambia der Kontakt nach Chipata zustande.

Neue Bäume

Baumpflanzungen in Chipata im Herbst 2024: Der Distrikt ist von Waldverlust bedroht.

Baumpflanzungen

Für Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld ist die Städtepartnerschaft mit Chipata ein besonderes Anliegen: „Aus meiner Sicht wird es notwendig sein, die nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents mit Unterstützung aus Europa zu stärken. Deswegen ist mir die Partnerschaft mit Chipata in Sambia besonders wichtig“, betont der Sozialdemokrat. Städtepartnerschaften hätten dabei die Möglichkeit, echte Begegnung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu organisieren. Besonders spannend findet Lierenfeld schon jetzt, dass beide Seiten ihre Erfahrungen, Perspektiven und Stärken einbrächten. „Wir lernen voneinander. Genau das macht diese Partnerschaft so wertvoll. Sie erweitert den Blick und schafft Verständnis füreinander.“

Seit 2022 gab es mehrere Besuche und Arbeitstreffen. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Projekte standen bisher Klimaanpassung und Umweltschutz, Wasserversorgung, mehr öffentliche Sicherheit durch die Stärkung der Feuerwehr sowie Bildung, Wissenstransfer und interkulturelle Begegnungen. „2023 wurde ein Feuerwehrauto nach Chipata geliefert – 98 Brände konnten erfreulicherweise bereits mit diesem Auto gelöscht werden“, berichtet Lieselotte Heinz.

Wasserversorger kooperieren

Digital ist Chipata Dormagen jetzt einen Schritt voraus: Zu Beginn der Partnerschaft wurden Laptops bereitgestellt – inzwischen hat Chipata damit seine digitalen Services für seine Bürgerinnen und Bürger aufgebaut. „Viele städtische Leistungen können sogar über das Handy bezahlt werden“, so Heinz. Das seien „genau die Ansätze, von denen auch wir Inspiration ziehen können“. Die Partnerschaft ist ein ständiger Austauschprozess – nicht nur virtuell. „Wir haben es fast geschafft, uns jedes Jahr einmal persönlich zu sehen, entweder in Dormagen oder in Chipata.“ 

Ein weiteres wichtiges Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen den Wasserversorgern beider Städte, die seit März 2024 besteht. Ziel ist eine verlässliche Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser. Dabei geht es um praktischen Wissenstransfer: Wasserverluste durch Lecks in Wasserleitungen sollen reduziert oder auch die Arbeitssicherheit verbessert werden, zum Beispiel mit Schulungen zum Umgang mit asbestbelasteten Rohren. Die Kooperation ist bis zum Jahr 2027 angelegt. Für 2026 plant Dormagen, den Austausch junger Fachkräfte anzustoßen. 

Interkulturelle Begegnungsreisen von Bürgerinnen und Bürgern habe es bisher noch nicht gegeben, räumt Lieselotte Heinz ein. Doch zum Jahresende werde sich ein zivilgesellschaftlicher Partnerschaftsverein gründen, der die gegenseitigen Beziehungen stärken soll – auch im Rahmen möglicher Reisen. 

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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