Volkshochschulen: Wo man den Horizont erweitern kann
Seit Jahrzehnten gehören Volkshochschulen zur Bildungskultur des Landes. Immer wieder schaffen sie es, sich gesellschaftlichen Entwicklungen und Erfordernissen anzupassen.
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Digitale Angebote spielen bei den Angeboten der Volkshochschulen eine immer größere Rolle.
Am Ende der Videokonferenz reift die Erkenntnis. „Ich sollte vielleicht mal einen Excel-Kurs besuchen“, sagt der Kollege. Die Kollegin am anderen Ende der Leitung nickt zustimmend: „Ja, das solltest Du tun, das erleichtert die Arbeit ungemein.“Und so schalten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit mindestens einem Vorhaben für das kommende Jahr auseinander: einen Blick ins Kursangebot der örtlichen Volkshochschule zu werfen. Excel-Kurse gibt es gleich mehrere. Einige stehen als Abendkurse im Veranstaltungskatalog, andere als mehrtägiger Bildungsurlaub.
Bildungsangebote für Millionen
Die Volkshochschulen oder VHS gehören seit vielen Jahrzehnten zu den anerkannten Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Deutschland. Darüber hinaus bilden die Einrichtungen einen wichtigen Teil der Kultur. Laut der neuesten vorliegenden Statistik des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) aus dem Jahr 2022 gibt es bundesweit 845 Einrichtungen – mit bundesweit 434.583 Kursen. An diesem haben 4,19 Millionen Menschen teilgenommen. An der Spitze dabei: Sprachkurse mit 34 Prozent, gefolgt von Gesundheitskursen.
Der Name Volkshochschule geht zurück auf den dänischen Intellektuellen Nikolai Frederik Severin Grundtvig. Er prägte bereits im Jahr 1844 den Namen folkehøjskole. Gemeinsam haben der nördliche Nachbar und Deutschland indes nur noch den Namen, da hinter dem dänischen Konzept etwas anderes steckt als hierzulande. Die Philosophie und der Anspruch der Volkshochschulen rühren aus ihrer engen Verbindung zu den Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereinen des 19. Jahrhunderts her.
Volkshochschulen ermöglichen lebenslanges Lernen
Damals wie heute sind die Volkshochschulen ein wichtiger Teil der Erwachsenenbildung. Egal wie diese organisiert sind, die gemeinsamen Ansprüche einen sie: Volkshochschulen sollen Orte lebenslangen Lernens sein – die Menschen sollen das Recht auf Bildung haben, sie leisten ihren Beitrag zu wirtschaftlicher und sozialer Chancengleichheit, zu Aufklärung und zu Menschenrechten. Darüber hinaus sind die 845 Volkshochschulen ein wichtiger Träger der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Dies lässt sich ebenfalls der DVV-Statistik von 2022 entnehmen. Im sogenannten Programmbereich „Qualifikationen für das Arbeitsleben – IT – Organisation/Management“ gab es demnach 744.449 Unterrichtsstunden, unter anderem in den Fachgebieten „IT-/Medien-Grundlagen und allgemeine Anwendungen“ mit einem Anteil von 26,9 der Unterrichtsstunden. Hinzu kamen branchenspezifische Fachlehrgänge mit einem Stundenanteil von 15,2 Prozent sowie fachgebietsübergreifende oder sonstige Kurse. Deren Anteil lag bei 28,4 Prozent.
Obgleich die DVV-Erhebung bereits gute drei Jahre alt ist, bleibt die Tendenz noch immer die gleiche. Dies bestätigt Christoph Steimer, Leiter der Prüfungszentrale des VHS-Landesverbandes Niedersachsen. Die dortigen Einrichtungen arbeiten „seit 50 Jahren“, so Steimer, auf der Grundlage des Niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetzes (NEBG). Unter den 16 Bundesländern stechen die Norddeutschen mit ihrer besonders hohen regionalen und lokalen Verankerung heraus. Die niedersächsischen Volkshochschulen sind in neun Vereinen, sechs Zweckverbänden, zwölf Kreis- und neun Gemeindevolkshochschulen sowie 20 gemeinnützigen GmbHs organisiert.
Volkshochschulen müssen sich weiterentwickeln
Die Einrichtungen zeichnen sich laut Steimer dadurch aus, dass sie es immer wieder schaffen, sich gesellschaftlichen Entwicklungen und Erfordernissen anzupassen. Dies gelte insbesondere für die Bereiche Demokratiebildung, politische Bildung und Gesundheitsbildung. Führend bei der stetigen Neuausrichtung ist die Kreisvolkshochschule Ammerland – Steimer bezeichnet diese als „extrem gut“. Auch der Direktor der Bremer Volkshochschule Ralf Perplies lobt die Kollegen aus dem Landkreis Ammerland: Dort biete die KVHS ein umfassendes Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebot weit über ein „klassisches Volkshochschulangebot” hinaus, schreibt er in einem Post auf LinkedIn.
Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt die Entwicklung der KVHS Ammerland. Dominierten etwa 2019 klassische Bereiche wie Sprachen, Gesundheit und Kultur, haben die Verantwortlichen zahlreiche Weichenstellungen vorgenommen – unter anderem 2021 mit dem Handlungsfeld Berufsintegration und dem Projekt „meinWeg!“: Gemeinsam mit dem Jobcenter bietet die Volkshochschule Einzelcoachings für Arbeitsuchende. In den Folgejahren hat es weitere Weichenstellungen gegeben – beispielsweise 2022 unter dem Programmmotto „Zusammen in Vielfalt“ mit Kursen zu diskriminierungsfreiem Sprachgebrauch und gendersensibler Bildung. Und seit 2024 setzt die KVHS verstärkt auf digitale Transformation, so unter anderem mit Formaten zu Künstlicher Intelligenz.
Torsten Kropp
Ulf Buschmann ist freier Journalist in Bremen. Für die DEMOKRATISCHE GEMEINDE ist er seit 1998 als Autor tätig.