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Bürgermeisterwahl ohne Kandidaten: und was passiert jetzt?

28. Januar 2026 12:26:50

In Bayern finden am 8. März Kommunalwahlen statt. In mehreren Gemeinden haben sich keine Bewerber*innen für das Bürgermeisteramt gefunden. Ihre Stimme abgeben können die Wähler*innen trotzdem.

Stift mit Wahlkreuz und bayerischer Flagge

In Bayern finden am 8. März 2026 umfangreiche Kommunalwahlen statt.

Bürgermeister oder Bürgermeisterin – das ist zwar für manche der schönste Job der Welt, aber auch ein ziemlich anstrengender. In mehreren bayerischen Kommunen findet sich aktuell niemand, der ihn machen will. In dem Bundesland finden am 15. März Kommunalwahlen statt. Die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen (also Kandidaturen) ist mittlerweile verstrichen.

Ein Beispiel ist die 800-Einwohner*innen-Gemeinde Megesheim im Landkreis Donau-Ries. Seit 2004 heißt der Bürgermeister hier Karl Kolb, doch nach der Wahl will er aufhören. Auch sonst hat niemand seinen Hut in den Ring geworfen. Im Landkreis Weilheim-Schongau hat es laut Medienberichten gleich drei Gemeinden getroffen: Ingenried, Habach und Antdorf stehen ohne Kandidierende für das Bürgermeisteramt da. Im Landkreis Freyung-Grafenau betrifft es die Gemeinden Philippsreut und Eppenschlag.

Bürgermeister: herausforderndes Ehrenamt

Dasselbe Problem hat Brunnen im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Der amtierende Bürgermeister Thomas Wagner (CSU) steht nicht wieder zur Verfügung. Werner Widuckel hat dafür Verständnis, er ist SPD-Kreisvorsitzender in Neuburg-Schrobenhausen. „In einer Gemeinde wie Brunnen mit 2.000 oder 3.000 Einwohnern hast du als Bürgermeister einen richtig toughen Job zu machen“, sagt er am Telefon. Es werde immer komplexer, eine Verwaltung zu leiten. Die Zahl der Aufgaben steige. „Das reicht von Abwasserbehandlung über Schulbauten bis zum Öffentlichen Nahverkehr. Leistungen müssen europaweit ausgeschrieben werden. Die Ressourcen der Gemeinde wachsen aber nicht mit.“

Gleichzeitig habe eine kleine Gemeinde nicht das Geld, um die Bürgermeister-Stelle hauptamtlich zu besetzen, erklärt Widuckel. „Das soll also ehrenamtlich neben einem anderen Job erledigt werden. Der Amtsvorgänger hat gesagt: Nein, das packe ich nicht mehr.“ Dazu komme, dass man sich als Bürgermeister oder Bürgermeisterin zunehmend der Gefahr aussetzte, attackiert oder beleidigt zu werden. Auch in den Räten hätten die meisten Parteien Schwierigkeiten, Kandidierende zu finden.

Das bestätigt auch der SPD-Landesverband auf Nachfrage. „Die BayernSPD regiert in rund 200 Städten und Gemeinden unterschiedlichster Größen und ist in der Kommunalpolitik tief verankert. Trotzdem fällt es auch uns schwerer, Kandidat*innen für kommunale Ehrenämter zu gewinnen, auch aufgrund der gestiegenen Anzahl von Angriffen auf Kommunalpolitiker*innen auf der Straße und im Netz.” Die Partei sei jedoch stolz darauf, dass sie wieder in den meisten Städten und Gemeinden Listen und Bürgermeisterkandidat*innen aufstellen konnte, teilt die Pressestelle mit.

Keine Kandidaten: was das Wahlrecht sagt

Wenn es keine Kandidat*innen für das Bürgermeisteramt gibt, sieht das bayerische Wahlrecht Folgendes vor: Die Wähler*innen können selbst einen Namen auf den Stimmzettel schreiben. Erhält eine Person mindestens 50 Prozent der Stimmen und nimmt die Wahl an, ist sie gewählt. Wenn nicht, kommt es zur Stichwahl. Falls dann immer noch kein*e erste*r Bürgermeister*in gefunden wurde, kann die Rechtsaufsichtsbehörde (also das Landratsamt) ein Gemeinderatsmitglied mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte beauftragen. Diese Person „hat sich auf laufende und auf unaufschiebbare Geschäfte zu beschränken“, heißt es im bayerischen Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz. Die Wahl muss dann innerhalb von drei Monaten wiederholt werden.

Ganz neu ist das Phänomen nicht, dass die Wähler*innen die Namen ihrer Favorit*innen selbst eintragen müssen. In Ingenried wurde der ehemalige Rathauschef Xaver Fichtl mehrfach auf diese Weise ins Amt gewählt. Laut einem Bericht des Münchner Merkur hatte das auch formale Gründe: Fichtl war im Hauptberuf Beamter der Postbank. Die wäre laut Beamtenrecht nicht zur Freistellung Fichtls verpflichtet gewesen, wenn dieser auf dem Wahlzettel gestanden hätte.

Dieser Artikel wurde am 29.1.2026 aktualisiert.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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