Grünes Geld: Warum München eine Nachhaltigkeits-Anleihe ausgibt
Als erste deutsche Stadt hat München einen „Green Bond” herausgegeben. Die nachhaltige Anleihe hat einen entscheidenden Vorteil – trotzdem gibt es gute Gründe, warum andere Kommunen dem Beispiel wohl nicht folgen werden.
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Marienplatz in München mit dem Rathaus und den Türmen der Frauenkirche: Die Stadt setzt im Finanzierungsmix auch auf Nachhaltigkeit.
Der bayerischen Landeshauptstadt hat sie viel frisches Geld eingebracht: München hat im September 2024 als erste deutsche Kommune eine grüne Anleihe ausgegeben, auch „Green Bond“ genannt. Damit stieß sie auf eine große Nachfrage. Der Green Bond war 2,5-fach überzeichnet. Deshalb hat die Stadt das ursprüngliche Emissionsvolumen von 250 Millionen auf 300 Millionen Euro aufgestockt. Die Anleihe hat eine Laufzeit von sieben Jahren und bringt den Käufern eine Rendite von 2,838 Prozent.
Mit den Erlösen aus der Anleihe finanziert die Stadt verschiedene Projekte, die der Nachhaltigkeit dienen. Dazu zählen beispielsweise umweltfreundliche Kita- und Schulgebäude, die Elektrifizierung des Busverkehrs, der Ausbau der U-Bahn-Linie 5 oder verbesserte Radwege. Geld fließt auch in den Ausbau erneuerbarer Energien auf städtischen Gebäuden oder Zuschussprogramme für klimaneutrale Gebäude. Die Rückzahlung erfolgt später, wie auch bei normalen Kommunalkrediten, aus dem städtischen Haushalt.
Anleger interessieren sich für nachhaltige Produkte
München setzt mit dem Green Bond nicht nur symbolisch ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit. Die Stadt will damit auch die Finanzierung ihrer Aktivitäten auf breitere Füße stellen. „Nachhaltige Anleihen spielen am Kapitalmarkt eine immer größere Rolle“, betont Kämmerer Christoph Frey. Anleger suchten heute gezielt nach derartigen Modellen.
Auch andere Städte setzen in ihrer Finanzierungsstrategie auf Nachhaltigkeit. Hannover hat 2018 erstmals grüne Schuldscheine ausgegeben. Später zogen die Städte Münster, Köln und Offenbach nach. Der Unterschied zu München: Schuldscheine können nicht an der Börse gehandelt werden, Anleihen (Bonds) hingegen schon.
Kommunen brauchen Geld, um Klimaziele zu erreichen
Mit den Vor- und Nachteilen solcher Modelle setzt sich ein Papier des Forschungszentrums „KfW Research“ auseinander, das kürzlich veröffentlicht wurde. Die Autoren Stefanie Brilon und Christian Raffer sehen einen hohen Finanzierungsbedarf, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. So müssten die kommunalen Unternehmen in die Energie- und Wärmewende schätzungsweise 200 Milliarden Euro bis zum Jahr 2035 investieren.
Green Bonds können eine Möglichkeit sein, an Investitionsmittel zu kommen. Brilon und Raffer geben jedoch zu bedenken, dass es sehr aufwendig sei, kommunale Investitionsprojekte fit für eine Finanzierung mittels grüner Kapitalmarktprojekte zu machen. So müssten geeignete Projekte identifiziert werden und deren Beitrag zur Nachhaltigkeit müsse messbar sei. In der Regel fielen Kosten für externe Beratungsunternehmen oder Gutachter an, welche die Nachhaltigkeit dieser Projekte überprüfen. Und bei Grünen Anleihen, die am Kapitalmarkt gehandelt werden, bestünden umfassende Dokumentations- und Offenlegungspflichten.
München hat sein Projektportfolio von der Ragingagentur imug checken lassen. Diese bestätigt, dass die Vorhaben mit gängigen Marktstandards übereinstimmen. (Namentlich mit den „Green Bond Principles“ der ICMA und den „Green Loan Principles“ der LMA, APLMA und LSTA.) Denn sie lassen sich in die Kategorien „Erneuerbare Energien“, „Sauberer Transport“ oder „Umweltfreundliche Gebäude“ einsortieren.
Aufwand für Green Bonds lohnt oft nicht
Brilon und Raffer von KfW Research geben zu bedenken, dass München einen sehr aufwendigen Ansatz verfolge. Dieser sei für viele kleinere Kommunen kaum möglich, „weshalb die Entwicklung eines schlankeren Berichtsstandards wünschenswert wäre, der sich auf die relevanten Informationsbedürfnisse von Investoren konzentriert.“
Weiter schreiben sie: Wegen des hohen Aufwands lohnten sich grüne Anleihen oder Schuldscheine erst ab hohen Beträgen. In der Regel gehe es um dreistellige Millionenbeträge. Eine Lösung für das Problem könne darin bestehen, dass mehrere Kommunen kooperieren. Beispiele aus der Praxis gibt es dafür in Deutschland bisher aber noch nicht.
Was aus kommunaler Sicht für Green Bonds spricht: „Je nach Marktumfeld“ kann die Nachfrage höher sein als bei herkömmlichen Anleihen, erklärt die Stadtkämmerei München. Das könne zu leicht verbesserten Konditionen für die Stadt führen. Im konkreten Fall hat sich für die bayerische Landeshauptstadt ein Finanzierungsvorteil von ein bis zwei Basispunkten (also Hundertstel Prozentpunkten) ergeben.
Dirk Bleicker
ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.