Studie: Was eine Metropolregion lebenswert macht
Wo lässt es sich am besten leben? Zwölf deutsche Metropolregionen wurden in einer neuen Studie verglichen. Auf Rang 1 liegt das Ruhrgebiet vor dem Rheinland und Rhein-Neckar. Wohnen, Freizeit- und Kulturangebote sowie kurze Wege sind wichtige Kriterien.
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Eine neue Studie liefert einen Vergleich darüber, was lebenswerte Regionen ausmacht. Wohnkosten und kurze Wege sind dabei wichtige Kriterien. Im Ranking liegr das Ruhrgebiet vorne, im Bild ein Blick auf die Stadt Essen.
Was genau macht eine Region lebenswert? Mit dieser Frage hat sich das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Regionalverbandes Ruhr (RVR) beschäftigt. Die vergleichende Studie „Leben in Metropolregionen“ kommt zu dem Befund, dass das Ruhrgebiet das lebenswerteste Ballungsgebiet ist. „Von Hochkultur bis Breitensport: Bei der Freizeitgestaltung bietet das Ruhrgebiet unzählige Möglichkeiten – mit erstklassigen Bühnen ebenso wie mit einer starken Vereinslandschaft“, unterstreicht Studienautor Hanno Kempermann vom Institut der deutschen Wirtschaft.
Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Metropolregionen
Immerhin leben und arbeiten laut dem IW Köln mehr als zwei Drittel der Menschen in Metropolregionen. Im Ranking folgen dem Ruhrgebiet das Rheinland sowie das Rhein-Neckar-Gebiet. Die Metropolregionen München und Nürnberg liegen auf hinteren Rängen – anders als die Kernstädte, die in den Rankings oft vorn zu finden sind.
Das liegt an der Konzeption der Studie: Im Fokus stehen die Lebensbedingungen der Menschen, insbesondere die Frage, was die Gebiete für Fachkräfte attraktiv macht. Verglichen wurden 23 Indikatoren in den Bereichen Familie, Wohnraum, Ausgehen, Kultur und Gesellschaft, Sport und Freizeit sowie Verkehr und Versorgung. Traditionell ökonomische Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt finden sich darin nicht.
Ruhrgebiet punktet mit kurzen Wegen
Betrachtet man die vielen Merkmale gemeinsam, so wird erkennbar, dass das Ruhrgebiet insbesondere wegen seiner „polyzentrischen“ Struktur profitiert. „Hier gibt es nicht ein Zentrum, sondern viele“, heißt es in einer Zusammenfassung der Studienergebnisse. Egal, wo man in der Region wohne: Fernbahnhöfe, Autobahnen und Krankenhäuser seien schnell erreichbar. Kultur- und Freizeitangebote seien flächendeckend vorhanden. Dazu kämen noch „moderate Immobilienpreise“, heißt es in der Studie.
Auf der anderen Seite leiden die Metropolregionen um München oder Hamburg unter ihrer Struktur. Menschen, die im Umland wohnten, müssten oft sehr lange Wege in Kauf nehmen, um die Angebote der Kernstadt zu nutzen, fanden die Studienautor*innen heraus. In der Metropolregion München etwa seien die Wege zu Krankenhäusern Ärztinnen und Ärzten, Museen, Kitas oder Schulen oft weit; die hohen Immobilienpreise der Landeshauptstadt strahlten aber bis ins Umland aus.
Ein Beispiel ist die ÖPNV-Dichte: Muss ein*e Bewohner*in im Ruhrgebiet im Schnitt 212 Meter zur nächsten Haltestelle laufen, sind es in der Metropolregion Nürnberg 784 Meter, in der Metropolregion München 611 Meter. Auch bei der Nähe zu Krankenhäusern schneidet das Ruhrgebiet gut ab – mit rechnerisch 72,8 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner*innen. In der Metropolregion Stuttgart kommen auf die gleiche Anzahl von Menschen 43 Betten in Krankenhäusern.
Wohnen als wichtiger Faktor
Verglichen hat das IW Köln auch die Kaufpreise von Immobilien. Hier gibt es laut der Studie drastische Unterschiede: Der Erwerb von Eigentumswohnungen in der Metropolregion München mit durchschnittlich 6.362 Euro pro Quadratmeter sei für Normalverdiener kaum noch realisierbar, während das Ruhrgebiet vergleichsweise moderat sei – mit Preisen für Eigentumswohnungen von durchschnittlich 2.271 Euro pro Quadratmeter.
Die Studie räumt aber auch ein, dass das durchschnittliche Einkommen im Ruhrgebiet unter dem Niveau anderer Städte wie etwa Berlin oder München liegt. Jedoch sei der Unterschied bei den Immobilienpreisen deutlich größer und könne niedrigere Einkommen überkompensieren, hieß es. Das könnte laut IW Köln ein Standortvorteil sein, um Fachkräfte oder Uniabsolvent*innen anzulocken.
Bei den Mieten weist laut IW Köln die bayerische Landeshauptstadt mit im Schnitt 15,5 Euro pro Quadratmeter die höchsten Werte auf, gefolgt von Berlin-Brandenburg mit 14 Euro pro Quadratmeter. Neben der Region Mitteldeutschland (7,4 Euro) zählt auch das Ruhrgebiet (8,3 Euro) zu den günstigeren Regionen; ebenso die Region Hannover–Braunschweig–Göttingen–Wolfsburg mit 9,1 Euro pro Quadratmeter.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.