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Heide: Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität

23. Dezember 2025 09:26:00

2022 hat Heide das integrierte Klimaschutzkonzept „Klimaneutrale Stadt Heide 2045“ beschlossen. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch komplizierter als erwartet. 

 

Wasserturm in Heide

Der Wasserturm ist ein Wahrzeichen der Stadt Heide in Holstein.Die Stadt hat 2022 ein Klimaschutzkonzept beschlossen.

Wir waren hier immer progressiv, was den Umweltschutz angeht. Das galt für alle Parteien.“ Dies sagt Oliver Schmidt-Gutzat (SPD), Bürgermeister von ­Heide in Schleswig-Holstein. 2022 hat die Politik mit deutlicher Mehrheit das Konzept „Klimaneutrale Stadt Heide 2045“ beschlossen. Bei der Umsetzung in der 21.500-Einwohner-Stadt geht es, wie in vielen anderen Kommunen, langsamer voran als erhofft. Das hat Gründe. Der wichtigste: „Die Umsetzung der Ziele findet in den Kommunen statt, aber dafür werden ihnen von Bund und Land nicht die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt“, sagt Schmidt-Gutzat, der auch Vorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Schleswig-Holstein ist.

Klimaschutzkonzept: Hohe Erwartungen, große Pläne

Bundesweit Schlagzeilen machte Heide wegen der gescheiterten Ansiedlung des schwedischen Batterieherstellers Northvolt. Das hat auch Folgen für ­Heides Klimaneutralität. So gab es eine Vereinbarung (Letter of Intent), dass Heide von Northvolt Fernwärme beziehen wird. Nun muss sich die Stadt nach anderen Wärmelieferanten umsehen. Die Treibhausgas-Bilanz, die am Anfang eines Klimakonzepts steht, hat ergeben, dass die Wärmeversorgung 67 Prozent des Endenergieverbrauchs der Stadt ausmacht. Es ist also sinnvoll, hier einen Schwerpunkt zu setzen. 

Zuständig in Heide sind die Stadtwerke. Sie gehören zu 49 Prozent dem Energiekonzern Thüga. Dieser sei jedoch bisher nicht bereit, mit der Stadt in die regenerativ erzeugte Wärme zu investieren, so der Bürgermeister. Deshalb geht Heide eigene Wege. „Unsere Politik ist über ­alle Parteigrenzen hinweg von ganz links bis rechts mitgezogen und hat gesagt, wir gründen unsere eigene Wärmeversorgungsgesellschaft.“

Wärme von einem geplanten Rechenzentrum nutzen

Die Wärme soll nun unter anderem von einem in Heide geplanten Rechenzentrum kommen. Die Zwischenzeit will man zum Beispiel mit einem Blockheizkraftwerk überbrücken. Der erste Strang dieser Wärmeversorgung soll vom ­neuen Schulzentrum zum Freizeit- und Erlebnisbad Dithmarscher Wasserwelt führen, ein zweiter wird vom Gewerbegebiet Westküste aus bis an den Stadtrand von Heide verlängert, unter anderem zur Feuerwehr-Leitzentrale des Kreises, zu einem Autohof und einem Baumarkt. Alle Einzelhäuser mit Fernwärme zu versorgen, hält der Bürgermeister jedoch für „unbezahlbar“.

 Um Eigenheimbesitzerinnen und -besitzern praxisnahe Wege zu mehr Energieunabhängigkeit, Kosteneffizienz und Klimaschutz aufzuzeigen, fand im Oktober ein Energieabend statt. „Es kamen mehr als 200 Interessierte“, erzählt Energieberater René Körber. Für die Bürgerinnen und Bürger organisierte die Stadt im September eine Woche der Klimaanpassung und im Juli zusammen mit der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein eine Klima-Radtour durch Heide. Themen waren unter anderem Stadtbegrünung, Regenwassermanagement und die Bedeutung von Biodiversität.

Langwieriger Weg zur Klimaneutralität 

Trotzdem ist der Weg zur Klimaneutralität langwierig. Schmidt-Gutzat: „Wir haben uns, als wir bei Northvolt in ­Skellefteå waren, mit Vetretern der dortigen Stadtwerken getroffen. Sie haben uns gezeigt, wie sich das Wärmenetz bei ihnen entwickelt hat.“ 50 Jahre habe das gedauert. „Bei uns gibt es die Erwartungshaltung, dass alles innerhalb von zehn Jahren passiert.“

Auch das das Forschungsprojekt „Quaree100” erwies sich nur als bedingt wettbewerbsfähig. Es sollte langfristig eine regenerative Energieversorgung bieten mit Preisen, die mit denen der fossilen Energieversorgung vergleichbar sind. Schmidt-Gutzat: „Unter den derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen hat es sich nicht gerechnet.“ Die Stadt Heide hätte Jahr für Jahr einen Millionenbetrag aus Steuermitteln zuschießen müssen.

Hürden in der Lokalpolitik

Auch in der Lokalpolitik gibt es Hürden. Im September 2025 setzte die Verwaltung die Klimawirkungsprüfung politscher Entscheidungen auf die Tagesordnung der Ratsversammlung. Ein solches Controlling ist Grundlage für die Weiterentwicklung des Klimaschutzes und Teil des integrierten Klimakonzepts der Stadt. Die Mehrheit der Ratsversammlung votierte dagegen. „Dabei wollten wir einfach nur anhand ganz einfacher Kriterien sagen: Ja, Nein und nicht ersichtlich“, sagt der Bürgermeister. Immerhin: Einer zweiten Fahrradstraße, die Heide-Süd an die Innenstadt und den denkmalgeschützten Marktplatz anbinden soll, hat der Rat der Stadt mit knapper Mehrheit zugestimmt. Schmidt-Gutzat will im kommenden Jahr erneut als Bürgermeister kandidieren – mit den Themen Wohnungsbau und grüne ­Energie.

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