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Wohnkosten für Studierende sind zu hoch – was Bund und Kommunen tun

Studierende geben mehr als die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen aus, zeigt eine neue Statistik. Kommunen können aus eigener Kraft nur wenig dagegen tun. Umso wichtiger sind die Förderprogramme des Bundes zum sozialen Wohnungsbau.

von Uwe Roth · 29. August 2025
Blick in einen vollen Hörsaal

Studierende an der Uni Köln (aufgenommen am Tag der Erstsemesterbegrüßung, Oktober 2023)

Zimmer oder kleine Wohnungen an Studierende zu vermieten, ist für Eigentümer*innen eine lukrative Angelegenheit. Eine Sprecherin der Stadt Tübingen (knapp 30.000 Studierende) teilt dazu mit: „Für Vermietende kann es wirtschaftlich attraktiver sein, eine für Familien geeignete Wohnung über Einzelmietverträge an Studierende zu vermieten.“ Außerdem hätten sich Investoren der Zielgruppe „Studierende“ angenommen – weil die Zahlungsbereitschaft dieser Zielgruppe wesentlich höher sei als die vieler anderer Gruppen. „Den Wohnungsmarkt insgesamt aber bringt das in eine Schieflage“, sagt sie.

Viel Geld für wenig Wohnfläche: Ein Bericht des Bundesamts für Statistik stellt fest, dass Studierenden-Haushalte 53 Prozent ihres monatlichen Budgets für die Miete ausgeben. „Das ist deutlich mehr als die Wohnkosten-Belastung der gesamten Bevölkerung. Diese liegt im Schnitt bei knapp 25 Prozent“, heißt es in der Mitteilung des Amts. Wer einen Platz in einer Wohngemeinschaft ergattert, kommt günstiger weg. Mit einer Belastung von knapp 37 Prozent sei die „aber immer noch höher als in der Gesamtbevölkerung.“  

Daten über Wohnungssituation Studierender fehlen

Unterm Strich gelten knapp zwei Drittel der Studierenden-Haushalte durch Wohnkosten als überbelastet. Die Hälfte der Studierenden mit eigenem Haushalt muss mit weniger als 930 Euro im Monat auskommen. Im statistischen Schnitt stammt fast die Hälfte der Einkünfte aus Minijobs oder ähnlichem. Für Kommunen ist die Erhebung deswegen interessant, weil es an lokalen Zahlen fehlt. „Wir verfügen über keine Daten, die präzise die Einkommens- und Wohnsituation von Studierenden erfasst“, räumt die Tübinger Sprecherin ein. „Gleichwohl betreiben wir ein Mietmarkt-Monitoring. Daraus lässt sich zumindest ableiten, dass die Zahlen auch für Tübingen passen könnten.“ 

Ein spezielles Programm für den Bau von Studierenden-Wohnheime habe die Stadt nicht. Sie achte aber insgesamt darauf, dass bezahlbarer Wohnraum entstehe. Allein mit Neubau lasse sich die Wohnungsnot nicht lösen. „Die Kommunen brauchen wirksame Instrumente, um der Spekulation mit Wohnraum entgegentreten zu können“, stellt die Sprecherin von Oberbürgermeister Boris Palmer fest.

Hoffnung auf Bund-Länder-Programm Junges Wohnen

Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) fühlt sich durch die Zahlen bestätigt, dass eine „neue Form der sozialen Auslese über die Miete“ drohe. Vorstandsvorsitzender Matthias Anbuhl sagt: „Nicht mehr Talent und Interesse entscheiden, an welcher Hochschule ich studiere, sondern die Frage, ob ich mir eine Wohnung in dieser Stadt überhaupt leisten kann.“ Während die Mietbelastung für die Studierenden enorm sei, bekämen immer weniger von ihnen BAföG. 

Neben einer weiteren Reform der Ausbildungsförderung fordert das DSW „die versprochene Verdoppelung der Mittel für das Programm Junges Wohnen.“ Dieses Bund-Länder-Programm ist Teil der Förderung des sozialen Wohnungsbaus und startete 2023 mit einem Budget von 500 Millionen Euro im Bundeshaushalt. 2026 soll es eine Milliarde Euro werden – sofern die Mittel eingestellt werden.

Grundstücke für Studentenwohnheime sind knapp

Das Studierendenwerk erwartet speziell von den Hochschulstädten „eine gemeinwohl-orientierte Bodenpolitik“. Studierendenwerke müssten „hochschulnahe, kostengünstige Grundstücke bekommen, um Studierendenwohnheime bauen und dabei bezahlbare, sozialverträgliche Mieten nachhaltig realisieren zu können.“ 

Vom Programm Junges Wohnen profitieren die Kommunen direkt, da dieses den Wohnungsmarkt entlastet und Spekulanten den Wind aus den Segeln nimmt. Laut der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg vom Frühjahr sind 1.319 Wohnheimplätze in der Planung oder bereits im Bau. Im Haushaltsjahr 2024 hat das Land für diesen Zweck 72,5 Millionen Euro reserviert und bewilligt. Darin enthalten sind rund 65 Millionen Euro aus Bundesmitteln und 7,4 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt.

Das DSW lobt: „Das Programm hat das Potenzial, mittel- und langfristig die dramatisch schlechte Wohnsituation für Studierende zu verbessern. Aber es ist eine Mittel- und Langstrecke, kein kurzer Sprint.“ Die Stadt Freiburg im Breisgau (über 30.00 Studierende) versucht es zusätzlich mit einer klassischen Methode, vor allem ältere Eigentümer zum Vermieten einer Studierenden-Bude zu motivieren: Viele Studierende seien bereit, kleinere Hilfsdienste zu übernehmen. Besonders dann, wenn sie auch noch erheblich bei der Miete sparen könnten. 

Autor*in
Uwe Roth

ist freier Journalist. Er ist Mitglied im Verein Deutsches Institut für Normung und dort im Redaktionskreis für eine DIN Einfache Sprache. Webseite: leichtgesagt.eu

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