Umfrage

Kommunen sehen Gesundheitsämter personell gut gerüstet

Carl-Friedrich HöckKarin Billanitsch06. August 2020
Dass Deutschland in der Corona-Krise vergleichsweise gut dasteht, sei ein Verdienst der Gesundheitsämter, meinen Städtetag und Landkreistag. Ihre Personalausstattung sei besser als ihr Ruf. Neue Zahlen untermauern das.

„Gefordert, aber nicht überfordert“ seien die deutschen Gesundheitsämter. Das sagt Helmut Dedy, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags. Anlass ist eine Umfrage, die der Städtetag gemeinsam mit dem Deutschen Landkreistag durchgeführt hat. Dabei wurde die Personalausstattung in den Flächenländern abgefragt. 252 von 356 Gesundheitsämtern nahmen teil – die Angaben wurden anschließend hochgerechnet.

Die meisten Stellen sind besetzt

Demnach gibt es bei den Gesundheitsämtern in Flächenländern 3.300 Vollzeit-Planstellen für Amtsärzt*innen, also knapp zehn Stellen pro Gesundheitsamt. Davon seien 2.900 auch tatsächlich besetzt – was einer Quote von 87 Prozent entspricht. Hinzu kommen 11.600 Stellen für weiteres medizinisches und nicht-medizinisches Personal. Rund 11.000 sind besetzt – die Quote beträgt hier sogar 94,5 Prozent. Dass trotzdem einige Stellen unbesetzt seien, liege zum einen an der Fluktuation in den Ämtern, heißt es in einer Mitteilung des Städtetags. Aber auch Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften seien ein Grund.

In der Corona-Krise besonders wichtig: Zusätzlich zu den Planstellen konnten rund 5.900 weitere Beschäftigte in den Ämtern eingesetzt werden (Stichtag 15. Juni). Sie sollen helfen Kontakte nachzuverfolgen, Corona-Tests durchzuführen und zu kontrollieren, ob Quarantäne-Vorgaben eingehalten werden. Viele dieser Mitarbeiter*innen sind Beschäftigte aus anderen Bereichen der Kommunalverwaltung, die vorübergehend im Gesundheitsamt aushelfen. Es sei aber auch zusätzliches Personal eingestellt worden, teilten Städtetag und Landkreistag mit.

Auf Dauer mehr Personal nötig

Trotz dieser Zahlen sehen die Kommunalverbände weiterhin Bedarf für Bundeshilfen. „Den Personalbestand der Ämter für normale Zeiten konnten wir kurzfristig durch zusätzliche Kräfte aus anderen Bereichen der Verwaltung ausweiten. Aber wir brauchen jetzt für die gesamte Dauer der Pandemie mehr Beschäftigte, um Corona weiterhin so wirksam wie möglich zu bekämpfen“, sagt Helmut Dedy. Der Bund will den Gesundheitsämtern vier Milliarden Euro zusätzlich in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung stellen. Offen ist noch, wie genau das Geld bei den Kommunen ankommt.

Zudem fordern der Städtetag und der Landkreistag die Länder auf, größere Kapazitäten für die medizinische Ausbildung zu schaffen und die Besonderheiten des Öffentlichen Dienstes in der Ausbildung stärker zu berücksichtigen.

Mehrbelastung durch neue Testpflicht?

Mit der von Bundesminister Jens Spahn am Donnerstag angeordneten Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikoländern könnte allerdings „eine erhebliche zusätzliche Belastung auf die Gesundheitsämter zukommen, befürchtet der Landkreistag auf Anfrage der DEMO. Diese Entscheidung sei mit den kommunalen Verbänden nicht abgestimmt oder rückgekoppelt worden, kritisierte Kay Ruge vom Landkreistag. Die Pflicht soll schon vom kommenden Samstag an gelten. Spahn hatte vor Tagen angekündigt, dass eine solche Pflicht kommen soll.

„Wir haben erhebliche Zweifel an der Praktikabilität der Verordnung“, sagte Ruge am Donnerstag. Details würden derzeit geprüft. Der Bund habe auf die Problematik der Reiserückkehrer zu spät reagiert.

Landkreistag: „Dezentrale Strukturen haben sich bewährt”

Die beiden kommunalen Spitzenverbände sind überzeugt, dass die Gesundheitsämter einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, dass Deutschland im weltweiten Vergleich in der Corona-Pandemie gut dasteht. Denn dank der Kontaktnachverfolgung sei es gelungen, Infektionsketten konsequent zu unterbrechen.

Landkreistag-Präsident Reinhard Sager wertet die neuen Zahlen als Beleg, dass sich die dezentralen und kommunal verantworteten Strukturen bewährt haben. „Auch die Bezahlung im Öffentlichen Gesundheitsdienst ist grundsätzlich angemessen“, so Sager. Zuvor hatte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Dienst (BVÖGD) gefordert, die Amtsärzt*innen besser zu bezahlen und ihre Löhne den Krankenhaustarifen anzupassen.

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