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Lübeck mit seinen 223.000 Einwohnern hat das Ziel, „Hauptstadt des Fairen Marzipans“ zu werden.
Lübecker Marzipan ist seit 1800 Kult. Jetzt trägt das weltbekannte Süßgebäck zum guten Ruf als Fairtrade-Stadt bei. Ende Oktober kam die renommierte Auszeichnung für einen ersten Platz unter den „Hauptstädten des Fairen Handels“. Dass einer der wichtigsten Marzipan-Produzenten künftig fair gehandelten Kakao verwenden will, beeindruckte die Jury. Lübeck mit seinen 223.000 Einwohnern hat das Ziel, „Hauptstadt des Fairen Marzipans“ zu werden.
Lübeck: Umstieg auf nachhaltige Beschaffung
Die Hansestadt an der Ostsee trägt seit 2011 das Label Fairtrade-Stadt. Sie stellt schrittweise auf nachhaltige Beschaffung um. Bürgermeister Jan Lindenau trägt wesentlich dazu bei. Der SPD-Politiker macht das in doppelter Funktion: Als Chef der Verwaltung achtet er darauf, dass Vergaben, Einkäufe sowie die Kontrollen der Lieferketten den Grundsätzen des Fairtrade folgen.
Und er macht mit der Bekanntheit seines Amts Werbung für die Nachhaltigkeitsziele – wenn nötig mit vollem Körpereinsatz. Im September riefen Mitglieder des Vereins Fairtrade Stadt Lübeck die Bevölkerung auf, mehr Tafeln fair gehandelter Schokolade zu kaufen, als der Bürgermeister wiegt. Der stieg ohne Berührungsängste auf die Waage. Knapp 98 Kilogramm waren Ansporn genug, um am Ende der Aktion auf ein Gegengewicht von 450 Kilogramm Schokolade zu kommen.
Bürgermeister Lindenau unterstützt das Thema Nachhaltigkeit
Seit 2018 steht der Lübecker an der Spitze des Rathauses. „Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Stadtbevölkerung durch viele öffentliche Aktionen sehr präsent“, sagt Lindenau. Die Verwaltung und die Bürgerschaft (Gemeindevertretung) ziehen mit. „Anfangs musste ich eine deutliche Ansage machen, dass das gewollt ist.“
Inzwischen trägt beispielsweise die Feuerwehr Fairtrade-Uniformen, die Sportbälle sind nachhaltig hergestellt, und Gewerbe-Bauplätze werden an Unternehmen vergeben, die sich den Grundsätzen der Nachhaltigkeit verpflichten. Lübeck besitzt landwirtschaftliche Flächen. Die Stadt vergibt eine Pacht nur an Betriebe, die biologische Landwirtschaft betreiben.
Kosten sind überschaubar
Trotz knapper Haushaltskasse „haben wir null Diskussion, an der Nachhaltigkeit zu sparen“, wehrt der Bürgermeister eine entsprechende Frage ab. Ihm kommt entgegen, dass die Preise vieler fair gehandelter Produkte kaum noch höher liegen als die konventionell hergestellten Produkte.
Seine Erklärung: Statt Kakao-Bauern oder Näherinnen besser zu bezahlen, geben Handelskonzerne sehr viel Geld für Werbung und Marketing aus. Auf solche teuren Vertriebsausgaben kann der faire Handel weitgehend verzichten. „Das macht die Produkte wettbewerbsfähig“, so Lindenau. Welche Fairtrade-Aktion 2026 an den Start geht, werde Ende des Jahres entschieden – „ganz demokratisch“, versichert er.
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ist freier Journalist. Er ist Mitglied im Verein Deutsches Institut für Normung und dort im Redaktionskreis für eine DIN Einfache Sprache. Webseite: leichtgesagt.eu