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Rico Badenschier: Warum Schwerins SPD-Oberbürgermeister zurücktritt

18. September 2025 16:20:37

Seit 2016 ist Rico Badenschier Oberbürgermeister von Schwerin. Jetzt hat der SPD-Politiker seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Die Gründe lassen nichts Gutes erahnen.

Rico Badenschier im Gespräch

Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier will wieder als Arzt arbeiten. (Archivbild aus dem Januar 2024)

Am Mittwoch wandte sich Rico Badenschier mit einem Video auf der Facebookseite der Stadtverwaltung an die Schwerinerinnen und Schweriner. Darin kündigt der 47-Jährige an, zum Ende des Jahres als Oberbürgermeister zurückzutreten. „Während der Sommerpause hat sich für mich überraschend die Möglichkeit ergeben, in meinen Beruf als Neuroradiologe zurückzukehren“, sagt Badenschier in dem Video. Bis zu seiner Wahl 2016 war er als Oberarzt in den Helios Kliniken Schwerin beschäftigt.

„Möchte nicht länger Gesicht für Fehlentscheidungen sein“

„Klar ist das ein komplett anderer Job als vorher. Ich muss extrem viel lernen, ein Gespür für die Handlungsspielräume bekommen“, sagte Badenschier damals dem „vorwärts“. Letztere haben sich in den vergangenen Monaten offenbar immer weiter eingeschränkt. „Insbesondere im letzten Jahr seit der Kommunalwahl 2024 wurden einige Entscheidungen getroffen, die meiner Ansicht nach in die falsche Richtung für unsere Stadt weisen“, kritisiert Rico Badenschier in dem jetzt veröffentlichten Video. „Ich kann und ich möchte nicht länger Gesicht dieser für mich Fehlentscheidungen sein.“

Im vergangenen Jahr hatte die Stadtvertretung etwa das Vorhaben des Oberbürgermeisters, eine zweite Geflüchtetenunterkunft in Schwerin zu errichten, mit den Stimmen von AfD, CDU und Unabhängigen Bürgern/FDP abgelehnt. Gegen den Willen Badenschiers beschloss die Stadtvertretung zu Beginn dieses Jahres, eine Arbeitspflicht für Asylsuchende und Bürgergeldbeziehende einzuführen. Seit der Kommunalwahl im Juni 2024 stellt die AfD mit 12 Vertreter*innen die stärkste Fraktion in der Stadtvertretung. Badenschiers SPD hat acht Sitze.

Schwesig bedauert Badenschiers Rückzug

Rico Badenschier war 2023 für eine zweite, eigentliche siebenjährige Amtszeit gewählt worden. In der Stichwahl setzte er sich deutlich mit 67,8 Prozent gegen den AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm durch. Wann ein*e Nachfolger*in für Badenschier gewählt werden soll, ist noch unklar. Laut Kommunalwahlgesetz muss eine Neuwahl innerhalb von fünf Monaten nach dem Tag des Rücktritts – also des 1. Januar 2026 – stattfinden. In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September kommenden Jahres bereits der Landtag neu gewählt.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) regierte mit Bedauern auf die Ankündigung von Badenschiers Rücktritt. Er sei „ein erfolgreicher und beliebter Bürgermeister“ und sie habe „immer sehr gern mit ihm zusammengearbeitet“, schrieb Schwesig auf X.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Der studierte Politikwissenschaftler twittert unter @kai_doering.

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1 Kommentar

Gespeichert von Lilime (nicht überprüft) am Fr., 19.09.2025 - 14:18

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Das Problem ist nicht "nur", dass Rico Badenschier leider aus den, oben genannten Gründen, zurück tritt: Ich habe bis Anfang diesen Jahres in Schwerin gewohnt und dadurch letztes Jahr auch bei der Kommunalwahl wählen. Im Anschluss daran kam es zur Stichwahl zwischen Rico Badenschier und dem Kandidaten der Afd, MdB Leif-Eric Holm. Ich weiß noch, dass ich vor Erleichterung geweint habe, als klar war: Rico Badenschier bleibt OB in Schwerin! Allerdings ist es so, dass es mehrere "blaue" (sprich: Afd) Viertel gibt, in denen beinahe ausschließlich diese Partei gewählt wird, die die Schweriner Politik einfach, meinem Eindruck nach, überhaupt nicht mehr auf dem Schirm haben - Egal, welche Partei. Ich habe in so einem blauen Viertel gewohnt, weil ich das vor dem Einzug blöderweise nicht wusste und in den paar Jahren, in denen ich dort gewohnt habe, hat sich nichts geändert und diese Viertel sind groß, in den hauptsächlich sozial schwache Menschen leben, die hinten runter fallen oder sogar eventuell bereits abgeschrieben sind. Natürlich wählt nicht jeder Mensch in Schwerin die Afd und Schwerin ist wunderschön. Nichtsdestotrotz mache ich mir Sorgen um Schwerin und bin froh, dort nicht mehr zu wohne. Die politische Situation und die nächste Kommunalwahl in Schwerin macht mir Angst...